Bangladesch

Für ein würdiges Leben unter prekären Bedingungen

Sowohl in urbanen Zentren als auch auf dem Land trägt das Schweizerische Rote Kreuz zur Verbesserung der Gesundheit in Bangladesch bei und stärkt die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegenüber Naturgefahren. Zudem hilft es Frauen, Kindern und Männern, die vor der Gewalt im Nachbarstaat Myanmar geflohen sind.

Mit 160 Millionen Einwohnern bei einer Fläche von 148 000 km² ist Bangladesch eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt. Aufgrund seiner exponierten Lage ist Bangladesch vom Klimawandel besonders stark bedroht. Der Anteil der Menschen, die unter der Armutsschwelle leben, betrug bereits vor Ausbruch der Covid-19 Pandemie nach Angaben der Weltbank 24% und hat seither erstmals seit Jahrzehnten wieder zugenommen. Unterernährung, ansteckende Krankheiten, wiederkehrende Naturkatastrophen und ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld prägen den Alltag vieler Menschen. 2017 löste die Gewalt im Nachbarstaat Myanmar die grösste humanitäre Krise der Region seit Jahrzehnten aus: Hunderttausende Menschen flohen nach Bangladesch und leben seither in Lagern im Distrikt Cox’s Bazar.

Schutz und Beratung im Flüchtlingslager

Die behelfsmässigen Unterkünfte halten den Regenzeiten nur bedingt stand. Die Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern sind trotz erzielten Verbesserungen noch immer prekär. Eine nachhaltige Perspektive für die betroffenen Menschen ist nicht in Sicht. Daher engagiert sich das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) längerfristig in der Nothilfe: Gemeinsam mit dem Roten Halbmond von Bangladesch und dem Gesundheitsministerium baut das SRK innerhalb der Flüchtlingslager fünf Gesundheitszentren, in denen vor allem Frauen und Kinder Schutz, Beratung und medizinische Hilfe erhalten. Ausserdem wird ein Abfallentsorgungssystem in den Lagern und umliegenden Gemeinden aufgebaut.

Engagement in der Katastrophenvorsorge

Starke Monsunfluten, Zyklone und andere Wetterextreme häufen sich vor dem Hintergrund des Klimawandels und stellen die Menschen in dem dicht besiedelten Land regelmässig vor grosse Herausforderungen. Das Engagement des SRK zielt darauf ab, die Widerstandsfähigkeit der Menschen zu stärken und sie im Umgang mit den Naturgewalten zu schulen. Nebst der Bewusstseinsbildung trägt auch der Bau von klimaresistenter Infrastruktur wesentlich dazu bei, die Auswirkungen von Unwettern möglichst gering zu halten. Sowohl in den Flüchtlingslagern von Cox’s Bazar wie auch im Norden des Landes engagiert sich das SRK in der Katastrophenvorsorge und legt dabei einen besonderen Fokus auf die langfristige Stärkung des Roten Halbmonds von Bangladesch.

Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie

Das SRK unterstützt den Roten Halbmond im Kampf gegen das Coronavirus, indem es sowohl in den Flüchtlingslagern als auch im Rest des Landes Aufklärungsarbeit fördert , Freiwillige im Umgang mit der Pandemie schult und Schutzausrüstungen zur Verfügung stellt. Darüber hinaus werden betroffene Menschen mit Bargeldzahlungen unterstützt, um die sozio-ökonomischen Konsequenzen der Krise abzufedern, welche insbesondere in den urbanen Zentren verheerend sind.

Slumbewohner gestalten ihre Zukunft

Bis zum Ausbruch der Pandemie sind immer mehr Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben in die Hauptstadt Dhaka oder in andere grosse Städte gezogen. Viele von ihnen sind Klima-Migranten, die ihre Häuser wegen Ufererosion oder Naturkatastrophen verloren haben. Doch in den städtischen Elendsvierteln drohen ihnen permanent Zwangsräumungen. Sie haben keinen Zugang zu Gesundheitsdiensten und Ausbildung, zudem sind die hygienischen Verhältnisse katastrophal. Das SRK verbessert zusammen mit dem Roten Halbmond den Zugang zu Gesundheit, Wasser, sanitären Anlagen, Bildung und Arbeit für die Bewohnerinnen und Bewohner von zwei ausgewählten Slums in Dhaka. Dazu gehören auch Schulungen, damit sie ihre Rechte einfordern sowie ihre Gesundheit und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern können. Die Präsenz des SRK in diesen Gebieten ermöglicht es, rasch auf neu entstandene Herausforderungen im Zusammenhang mit der Pandemie zu reagieren.

Integriertes Wasser-Management

Auch in Bangladesch gibt es Gebiete mit Wassermangel, weil der Grundwasserspiegel aufgrund der Übernutzung stetig sinkt. Das SRK leistet zusammen mit der Partnerorganisation DASCOH einen Beitrag zur Veränderung der Gewohnheiten im Umgang mit dem Grundwasser. Es fördert die Nutzung von Regenwasser für die Landwirtschaft, berät die Dorfbevölkerung beim sparsamen Umgang mit Wasser. Zudemunterstützt es die staatliche Wasserbehörde dabei, ein nachhaltiges Wassermanagement umzusetzen.