Bosnien und Herzegowina

Betreuung und Selbsthilfe für alleinstehende Betagte

In Bosnien kümmert sich das SRK um betagte und kranke Menschen, die auf sich selbst gestellt sind. In der kalten Jahreszeit unterstützt es zudem bedürftige Familien mit warmen Mahlzeiten.

Auch mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Krieg ist Bosnien und Herzegowina immer noch davon gezeichnet. Äusserliche Spuren wie zerstörte Gebäude symbolisieren eine gesellschaftliche Realität, die von ethnischen Spannungen und sozialer Misere geprägt ist. Das Land leidet zudem unter einer anhaltenden Wirtschaftskrise. 45 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos, viele leben in Armut und ohne Perspektiven. Um der Not zu entfliehen, verlassen vor allem jüngere Menschen das Land in Richtung Westeuropa.

Für die Zurückgebliebenen ist die Situation schwierig. Ältere, gebrechliche und behinderte Menschen leiden am meisten darunter. Das Trauma des Krieges belastet sie, die Familien sind zerrissen. Die Renten reichen kaum zum Überleben. Wer krank und gebrechlich wird, ist oft auf sich selbst gestellt. Denn die Gesundheitsversorgung ist für viele unerschwinglich, vor allem die spitalexternen Dienste sind ungenügend.

Unterstützung zuhause für Kranke und Betagte

Um kranke, behinderte und pflegebedürftige ältere Menschen in ihren eigenen vier Wänden zu betreuen, bildet das SRK zusammen mit dem Bosnischen Roten Kreuz Pflegehelferinnen aus. Ergänzend zu den Gemeindeschwestern in den Polikliniken, kümmern sie sich um die Patienten zuhause. Sie messen den Blutdruck, verabreichen Medikamente oder leisten Wundpflege.

Einblick in die Tätigkeit des SRK in Bosnien-Herzegowina (engl.)

© SRK

Um auch die psycho-soziale Betreuung sicher zu stellen, schult das Rote Kreuz Freiwillige. Deren Aufgabe ist es, bei Hausarbeiten zu helfen und den einsamen Menschen Gesellschaft zu leisten. Häufig handelt es sich dabei um Nachbarn oder Verwandte, die schon vorher bei Notlagen ein springen mussten und dadurch oft bis an ihre Grenzen gefordert waren. Durch die Kurse und Treffen mit andern Freiwilligen erwerben sie nicht nur zusätzliches Wissen, sondern erfahren auch Anerkennung und gegenseitige Unterstützung.

Aktives Altern

Ein Tagesheim für Betagte, das das Rote Kreuz in der Stadt Tuzla betreibt, wird zu einem Kompetenzzentrum ausgebaut. Hier sollen nicht nur Kurse für Spitex-Pflegende und Rotkreuz-Freiwillige stattfinden. Auch ältere Menschen erhalten einen Treffpunkt, um eigene Aktivitäten zu planen und Projekte umzusetzen. Die Stärkung der Seniorengruppen in den Gemeinden ist ein weiterer wichtiger Pfeiler des SRK-Engagements. Auch diese Aktivitäten helfen, Isolation und Einsamkeit zu durchbrechen, unter denen viele Betagte leiden. Brachliegende Ressourcen können genutzt werden, um die eigene Lebenssituation zu verbessern. Schliesslich führt das Rote Kreuz auch Gesundheitskampagnen durch, um für die gesundheitsschädigenden Folgen von einseitiger Ernährung, Alkohol und Tabak zu sensibilisieren.

Ältere Menschen in Bosnien und Herzegowina gründen und engagieren sich in verschiedenen Initiativen: vom wöchentlichen Treff im Club der «Penzionista» bis hin zur Tanzveranstaltungen mit der Jugend.

©  Schweizerisches Rotes Kreuz – Internationale Zusammenarbeit

Winterhilfe für die Ärmsten

Regelmässig im Winter, wenn die Not besonders gross ist und die Familien ihre Mahlzeiten nicht durch Gemüse aus dem eigenen Garten ergänzen können, unterstützt das SRK Suppenküchen und gibt Sandwich-Mahlzeiten an Schulkinder ab. Besonders bedürftige Familien erhalten aus der Aktion «2 x Weihnachten» Nahrungsmittel, Hygiene- und Papeterieartikel sowie Spielzeug für die Kinder.