Bosnien und Herzegowina

Ein Netzwerk für ältere Menschen

In Bosnien und Herzegowina kümmert sich das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) um betagte und kranke Menschen, die auf sich selbst gestellt sind. In der kalten Jahreszeit versorgt es bedürftige Familien und Geflüchtete mit dem Nötigsten. Weiter stärkt das SRK seine Schwestergesellschaft in Bosnien und Herzegowina, beim landesweiten Aufbau nachhaltiger Hauspflegedienste und in der Katastrophenvorsorge.

Bosnien und Herzegowina leidet unter einer anhaltenden Wirtschaftskrise. Ein Sechstel der Bevölkerung ist arbeitslos, bei den jungen Menschen liegt die Arbeitslosenquote über 50 Prozent. Viele von ihnen wandern nach Westeuropa aus. Soziale und ethnische Spannungen sind auch mehrere Jahrzehnte nach dem Krieg noch spürbar. Wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten nehmen zu. Rund die Hälfte der Bevölkerung erlebt verschiedene Formen von Diskriminierung.

Hauspflegedienste aufbauen

Für ältere, gebrechliche und behinderte Menschen ist die Situation besonders schwierig. Sie sind oft auf sich alleine gestellt, wenn ihre Familie im Ausland lebt. Die Renten reichen kaum zum Überleben. Gesundheitsversorgung ist für viele unerschwinglich, vor allem die spitalexternen Dienste sind ungenügend. Hier setzt der Hauspflegedienst an, den das SRK mit seiner Schwestergesellschaft auf lokaler Ebene aufbaut. Das SRK setzt sich dafür ein, dass dieser Teil des Gesundheitssystems wird. Geschulte Pflegerinnen und Pfleger ermöglichen Betagten und Behinderten ein würdevolles Leben zu Hause. Verletzliche Menschen, die sich keine Hauspflege leisten können, erhalten diese kostenlos.

Ein Netzwerk für Aktives Altern  

Ältere Menschen zu stärken und ihre Ressourcen zu nutzen, ist eine weitere Priorität des SRK. In Initiativgruppen tauschen sich Seniorinnen und Senioren aus, engagieren sich für ihre Rechte und planen Aktivitäten für Altersgenossen. Begegnungszentren helfen Betagten, aus der Isolation auszubrechen. Von den Aktivitäten profitieren auch die Initiantinnen und Initianten: Sie bilden sich weiter und das Engagement für andere trägt dazu bei, dass sie länger aktiv sind und sich nützlich fühlen.

Ältere Menschen in Bosnien und Herzegowina gründen und engagieren sich in verschiedenen Initiativen: vom wöchentlichen Treff im Club der «Penzionista» bis hin zur Tanzveranstaltungen mit der Jugend.

Altersfreundliche Städte

In Zusammenarbeit mit dem SKR, dem Netzwerk für Aktives Altern und den lokalen Rotkreuzpartnern, hat Tuzla als erste Stadt in Bosnien und Herzegowina die Strategie «Altersfreundliches Tuzla» verabschiedet. Diese stellt sicher, dass die Bedürfnisse von älteren Menschen in die städtische Planung einbezogen werden. Weitere Städte wollen altersfreundlicher werden – das SRK unterstützt sie dabei.

Winterhilfe für Armutsbetroffene

Im Winter, wenn die Not besonders gross ist, unterstützt das SRK besonders bedürftige Familien mit Geldbeiträgen. Die SRK-Aktion «2 x Weihnachten» ermöglicht es ihnen, dringend Benötigtes wie Lebensmittel und Heizmaterial zu kaufen.

Nothilfe für Menschen auf der Flucht

Seit 2017 sind in Bosnien mehrere Tausend Migrantinnen, Migranten und Asylsuchende auf dem Fluchtweg in die EU gekommen. Das SRK unterstützt Menschen, welche in keinem der offiziellen Auffangzentren untergekommen sind, mit Essen, warmen Kleidern, Hygieneartikeln, Erster Hilfe und psychosozialer Unterstützung. Ihre Lage ist besonders prekär. Oft fehlt ihnen der Zugang zu grundlegenden Menschenrechten. Das SRK setzt sich für den Dialog mit Behörden zum internationalen humanitären Völkerrecht ein. Gemeinsam mit seiner Schwestergesellschaft arbeitet es eine längerfristige Unterstützung von Migrantinnen, Migranten und Asylsuchenden aus, welche in Bosnien und Herzegowina bleiben möchten.

Katastrophen vorbeugen

Naturkatastrophen bedrohen die Bevölkerung. Über 60 Prozent der Gemeinden sind einem hohen Risiko für Überschwemmungen und Erdrutsche ausgesetzt. Hinzu kommen gesundheitliche Katastrophen wie die Covid-19-Pandemie. Die Rotkreuzgesellschaft Bosnien und Herzegowina ist von der Regierung beauftragt, Menschen in Katastrophen beizustehen. Das SRK unterstützt seine Schwestergesellschaft bei der Ausbildung des Rettungsdienstes, der Koordination von Katastrophenplänen sowie bei Katastropheneinsätzen.

Bewältigung der Covid-19-Pandemie

Das Rote Kreuz arbeitet bei der staatlichen Impfkampagne mit.   

In Zusammenarbeit mit den Behörden informierte und sensibilisierte das Rote Kreuz verletzliche Gruppen zu den Gesundheitsrisiken und Schutzmassnahmen. Rotkreuz-Mitarbeitende und Freiwillige versorgten ältere und sozial benachteiligte Menschen, die das Haus nicht verlassen können, mit Lebensmittelpaketen, Medikamenten und Hygieneartikeln. Über eine Helpline bot das Rote Kreuz psychosoziale Unterstützung an. Weiter unterstützte es den Zivilschutz und Gesundheitseinrichtungen beim Aufbau von Einrichtungen, die der Triage von Erkrankten dienten und auch für die Quarantäne genutzt wurden. Es stellte die dafür benötigten Materialien wie Zelte, Feldbetten und Bettwäsche bereit. Im Brčko Distrikt gewährleistete das Rote Kreuz den Rettungsdienst mit Ambulanz-Fahrzeugen.