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Ein besonderes Jahr für Gobind Prasad

Die Plakate mit Fans des Roten Kreuzes sind derzeit überall zu sehen. Zum Beispiel Gobind Prasad, der dank dem SRK wieder sehen kann. Katharina Schindler hat Gobind in Nepal besucht.

Als wir nach langer holpriger Fahrt bei Gobind Prasad eintreffen, erwartet uns die halbe Nachbarschaft. Es hat sich herumgesprochen, dass Gobind vom Roten Kreuz angefragt wurde, um bei der Fan-Kampagne als «Model» mitzuwirken. Das hat Neugierde geweckt.

Gobind lächelt verschmitzt. Er geht gelassen um mit seiner unerwarteten Prominenz. Gerne zeigt er uns sein Zuhause. Zusammen mit seiner Familie lebt er in einem einfachen Haus. Im angebauten kleinen Laden verkauft er Salz, Snacks und Waschpulver. Auch ein Feld für die Selbstversorgung besitzen die Prasads.

Zudem kann Gobind dank handwerklichem Geschick mit Schreinerarbeiten einen Zustupf verdienen. «All das konnte ich nicht mehr tun, weil ich blind war», sagt Gobind. Der graue Star hatte ihm das Augenlicht geraubt. Das rechte Auge wurde letztes Jahr vom Roten Kreuz operiert, das linke ist demnächst dran. Er fühle sich wie neu geboren: «Es war schlimm, nutzlos zu sein. Ich bin noch nicht alt und muss für meine Familie sorgen.»

Sieben Kinder haben Gobind und seine Frau Phoolpati. Zwei Töchter sind bereits verheiratet und zu ihren Ehemännern gezogen. Dafür wohnen jetzt zwei Schwiegertöchter und drei Enkel unter Gobinds Dach. Und dieses ist nicht allzu gross.Ich rechne nach:  Zwölf Menschen leben in einem einzigen Raum. Zwischen den Betten sind Getreidespeicher aus Ton aufgestellt. Aufgespannte Tücher trennen die Bereiche ab, in denen die Söhne mit ihren Familien leben. Viel Privatsphäre gibt es hier nicht. Im Hof gackern ein paar Hühner, ein Schwein lungert herum. Den Ochsen, der ebenfalls zum Inventar gehört, hat der Sohn mit aufs Feld genommen. Gobind strahlt, er ist stolz auf seine Familie, auf den Besuch des Roten Kreuzes, auf seine Teilnahme an der Kampagne. «Im Herbst wird dann auch noch mein zweites Auge operiert. Das ist ein gutes Jahr für mich, ein ganz besonderes.»