Atomwaffen

«Atomwaffen sind die schlimmsten von allen Waffen»

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) ist enttäuscht über die Entscheidung des Bundesrates, trotz angenommener Motion im Parlament die Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrags zu verzögern. Wir fordern den Bundesrat auf, den Vertrag sofort zu unterzeichnen. Das SRK setzt sich seit Langem für ein Verbot von Atomwaffen ein. Präsidentin Annemarie Huber-Hotz erklärt warum.

Frau Huber-Hotz, warum setzt sich die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung gegen Atomwaffen ein – trotz dem Grundsatz der Neutralität?

Unser oberstes Gebot ist der Einsatz für die Menschlichkeit. Als Rotes Kreuz haben wir den Auftrag, Leben zu schützen. Dementsprechend sind alle Waffen gefährlich, denn sie bedrohen Leben. Atomwaffen sind die schlimmsten von allen Waffen. Es sind Massenvernichtungswaffen und es ist keine humanitäre Hilfe mehr möglich, wenn sie eingesetzt werden. Deshalb sind wir als Rotes Kreuz verpflichtet, unsere Stimme zu erheben, damit Atomwaffen verboten werden.

Warum hat es bis 2017 gedauert, bis die UNO einen Atomwaffenverbotsvertrag verabschiedete?

Seit den Atombomben von Hiroshima und Nagasaki 1945 gab es Anstrengungen, Atomwaffen zu verbieten. Der vorliegende Verbotsvertrag ist das Ergebnis dieser langjährigen Bemühungen, auch des Engagements der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Ein Verbot hatte schon immer einen schwierigen Stand, denn Atomwaffen wurden als Abschreckung instrumentalisiert. Es kamen auch neue Atommächte dazu, wie zum Beispiel Nordkorea. Aber je mehr Staaten sich gegen Atomwaffen aussprechen, umso eher haben auch die Atommächte einen Anreiz, selber von diesen Waffen abzusehen.

Hat der Entscheid der Schweiz international eine Bedeutung?

Auf jeden Fall. Die Schweiz steht für Menschlichkeit, Neutralität und humanitäre Tradition. Auch weil zahlreiche internationale Organisationen ihren Sitz in der Schweiz haben, werden ihre Entscheide weltweit wahrgenommen. Wenn die Schweiz sagt, dass Atomwaffen nie infrage kommen dürfen, auch nicht für die Selbstverteidigung, hat dies eine Signalwirkung.