Weltrotkreuztag

Zum Weltrotkreuztag: Nachhaltig im Geist Dunants

Gemeinsame Erklärung der Bundespräsidentin und der Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes zum Weltrotkreuztag am 8. Mai 2017.

Dürre und Hungersnot auf einem Kontinent, Dauerregen und Überschwemmungen auf einem anderen, Epidemien, soziale und wirtschaftliche Krisen, politische Spannungen und militärische Konflikte in verschiedenen Gegenden der Welt kosten unzählige Leben. Sie zerstören die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen und treiben viele in die Flucht. Die Nachrichten, die wir immer wieder mit Bestürzung zur Kenntnis nehmen müssen, bestätigen die Formulierung von Rotkreuz-Gründer Henry Dunant: «Der Feind, unser wahrer Feind, ist nicht die Nachbarnation; es sind Hunger, Kälte, Armut, Unwissenheit, Gewohnheit, Aberglaube und Vorurteile.»

Der 8. Mai, Henry Dunants Geburtstag, ist Weltrotkreuztag. An diesem Datum besinnen sich die 190 Nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften mit ihren 16 Millionen Freiwilligen darauf, wieviel Dunant und alle, die in seinem Geist arbeiten, zum Wohl der Menschheit bewirkt haben. Die weltweite Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung hat seit ihrer Gründung immer in enger Partnerschaft mit den Staaten gearbeitet. Diese Zusammenarbeit ist angesichts der aktuellen Aufgaben von besonderer Bedeutung.

Der globale Rahmen für die gemeinsamen, nationalen und internationalen Anstrengungen ist durch die UNO-Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung definiert. Die Schweiz hat 2015 mit allen anderen Uno-Mitgliedstaaten diese Agenda mit ihren Leitlinien und Prioritäten verabschiedet. Sie hat sich damit verpflichtet, sich für die Umsetzung der 17 Ziele im Bereich Armut, Hunger, Umweltzerstörung und Klimawandel, Wasser, Gesundheitsgefährdung und soziale Krisen zu engagieren. In diesem Einsatz trifft sich die Schweiz mit dem Roten Kreuz, dessen Hauptaufgabe ist, Leben, Gesundheit und Würde der Menschen zu schützen.

Die Agenda setzt bei der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung auf Partnerschaft. Partner bei diesen Anstrengungen sind auch Staat und Rotes Kreuz. Der Bund und das Schweizerische Rote Kreuz arbeiten seit 150 Jahren in der Not- und Katastrophenhilfe zusammen. Beide haben längst erkannt, dass es nicht nur darum gehen darf, Opfern von Krisen und Katastrophen beizustehen. Im Vordergrund muss die Prävention stehen. Es ist ein Gebot der Humanität, Menschen vor den Folgen von Naturereignissen zu schützen – erst recht, wenn diese absehbar oder gar durch politisches Versagen mitverursacht sind.

In letzter Zeit hat sich erwiesen, dass sich Naturereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen aufgrund des Klimawandels häufen und ihre Intensität zunimmt. Ihre Auswirkungen werden immer verheerender. Es ist deshalb ebenfalls ein Gebot der Menschlichkeit, die Ursachen solcher Ereignisse zu bekämpfen, um menschliche Opfer und materielle Schäden zu verringern, ja wenn möglich zu vermeiden. Schliesslich ist es ein Gebot der Vernunft: jede Investition in die Katastrophenprävention trägt dazu bei, ein Mehrfaches an Investition in Schadensbehebung einzusparen. Prävention und Ursachenbekämpfung gehören deshalb zu einem langfristig tragbaren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Handeln mit dem Ziel der Beendigung der Armut in all ihren Formen, der sozialen Inklusion und einer Entwicklung unter Achtung der Menschenwürde, der Menschenrechte sowie der Belastungsgrenzen der Erde.

Aufforstungen in abgeholzten, übernutzten Gegenden sind eine Illustration dafür, wie Katastrophenprävention, Sorge zur Umwelt und Schutz der Menschenwürde sich gegenseitig bedingen und oft auch aus einfachen Massnahmen bestehen können. Sie erlauben der betroffenen Bevölkerung, ihr Schicksal selber mitzugestalten, ihren Lebensraum in eigener Verantwortung zu sichern, sich aus der Abhängigkeit von Hilfe zu befreien und so ihre Würde zurückzuerlangen. Dabei erfüllen Freiwillige eine eminent wichtige Aufgabe.

Die Leitlinien der UNO-Agenda 2030 und die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung gelten auch bei uns. Die Schweiz hat vergleichsweise geringe Probleme. Herausforderungen bleiben dennoch bestehen: So sind die Gesundheit zu fördern, eine nachhaltige Wirtschaft und Energieversorgung sicherzustellen, Ökosysteme zu schützen etc. Auch hier geht es nicht ohne das Zusammenwirken von Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, und ohne das unermüdliche Engagement vieler Freiwilliger. Am 8. Mai, dem Welttag des Roten Kreuzes und Roten Halbmondes, rufen wir alle dazu auf, sich im Geist Henry Dunants für eine nachhaltige, friedliche, menschliche Welt einzusetzen.

Doris Leuthard
Bundespräsidentin der Schweizerischen Eidgenossenschaft

Annemarie Huber-Hotz
Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes