Ebola in Westafrika

«Wir brauchen einen langen Atem»

Vor einem Jahr am 8. August 2014 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Ebola zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt. Ein Jahr später ist es still geworden um die Epidemie. Doch besiegt ist der Virus noch nicht. SRK-Gesundheitsdelegierte Hanny Rücker berichtet aus ihrem aktuellen Einsatz in Sierra Leone.

Seit Ende Mai 2015 leiste ich meinen zweiten Einsatz für das SRK im Rotkreuz-Ebola-Behandlungszentrum in Sierra Leone. Es ist ruhig geworden, wir haben nur noch wenige Patienten. Aber es ist zu früh, um die Zelte abzubrechen. Denn noch werden jede Woche neue Ebola-Fälle gemeldet. Vergangene Woche waren es 14 im Westen des Landes. Die Distrikte Kono und Kenema, wo die beiden Behandlungszentren des Roten Kreuzes sind, zählen mehr als 150 Tage ohne Ebola. Aber «Ebola is real!», versichern mir die nationalen Mitarbeitenden. Solange Ebola in Sierra Leone Menschen ansteckt, können wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Denn die Gefahr besteht, dass wenige Fälle schnell wieder einen Flächenbrand auslösen. 

Erinnern wir uns, es ist gerade ein Jahr her, seit die WHO Ebola als «Public Health Emergency of International Concern» einstufte, als internationalen Gesundheitsnotfall. Zuerst war die Epidemie, die bereits Anfang 2014 ausgebrochen war, nicht ernst genommen worden. Bis Juli 2015 haben sich mehr als 27 000 Menschen mit dem Ebolavirus infiziert. Insgesamt forderte die Epidemie bisher mehr als 11 000 Todesopfer in den drei betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone. 

Jeder Verdacht auf Ebola wird geprüft

Inzwischen konnte Ebola durch intensive Aufklärung der Bevölkerung, durch «sichere» Beerdigungen, Isolation von Kontaktpersonen und durch das Aufnehmen von Patienten mit Ebola-Symptomen in Behandlungszentren eingedämmt werden. Aber wir müssen wachsam bleiben und jeden Patienten aufnehmen, der zu uns geschickt wird, weil er ausser einer Körpertemperatur von über 37,5°Celsius mindestens drei weitere Symptome hat: Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Schlappheit, rote Augen, unerklärbare Blutungen, Appetitlosigkeit, Bauch- oder sonstige Schmerzen. 

Noch immer sorgt im Ebola-Behandlungszentrum in Kono, wo ich arbeite, ein grosses Team für sichere Bedingungen. Statt wie zu den schlimmsten Zeiten der Epidemie, als 30 bis 40 internationale Delegierte hier waren, sind es jetzt im Schnitt sieben bis neun. Die hohe Disziplin zu wahren, genau nach Vorschrift zu handeln, ist nicht einfach. Wir müssen uns und die lokalen Mitarbeitenden immer wieder daran erinnern, dass wir uns und die Patienten keinem Risiko aussetzen dürfen. Symptome, die Ebola zugeordnet werden können, weisen höchstwahrscheinlich auf Malaria oder eine Atemwegs-Infektion hin. Aber wir nehmen die Patienten mit Verdacht auf Ebola auf und erst nach zwei negativen Ebola-Tests innerhalb von 72 Stunden können wir sie nach einer «Happy Shower» entlassen: sie werden zuerst mit 0,05% chlorinierten, danach mit klarem Wasser und Seife geduscht. Sie bekommen neue Kleidung und Schuhe, denn ihre müssen gemäss der strikten Prozedur verbrannt werden. Es ist ein sehr grosser Aufwand, den wir betreiben müssen um beizutragen, dass das Ende der Ebola-Krise naht. Doch jetzt unaufmerksam zu werden, den Ebola-Virus unterschätzen, kann nach wie vor tödlich sein.