Einsatz in Sierra Leone

In Kono wütet Ebola noch immer

Der Rettungssanitäter und Pfleger Christian Läuffer hat für das SRK einen Monat lang in Sierra Leone die Bekämpfung von Ebola unterstützt. Seine Berichte aus der Diamanten-Stadt Kono zeigen, dass Ebola noch längst nicht besiegt ist.

Sierra Leone, 20. Januar 2015

Seit ein paar Tagen bin ich in Kono. Das ist eine Minenstadt im Norden von Sierra Leone. Hier wird nach Diamanten und seltenen Edelmetallen gesucht. Der Film «Blood Diamond» mit Leonardo di Caprio spielt in dieser Gegend. Die Landschaft ist öde, die Luft dunstig und dreckig, nur selten sieht man den blauen Himmel. In der Nacht hört man das Brummen der Lastwagen und die Explosionen in den Minen.

Das Ebola-Behandlungszentrum des Roten Kreuzes hier in Kono ist seit dem 9. Januar, also knapp zwei Wochen, offen. Es ist wichtig, dass wir hier präsent sind, denn hier wütet Ebola noch immer. Es gibt nach wie vor Gegenden, wo man der Meinung ist, Ebola existiere gar nicht. Hier werden wir wirklich gebraucht und können mit Prävention und Behandlung etwas bewirken.

Ich bin der Koordinator des Teams für Infektion, Prävention und Kontrolle (IPC). Für mich als Pfleger ist dies eine wertvolle Herausforderung. Es kann vorkommen, dass ich zum Beispiel Wasser testen muss, um den Chloringehalt zu bestimmen. Damit die Sicherheit gewährleistet ist, müssen alle sehr gut geschult werden. Auch das ist Teil meiner Aufgabe. Neben meiner Funktion als Koordinator gehe ich jeden Tag einmal in die Hochrisikozone und unterstütze das Pflegeteam.

Im zweiten Ebola-Behandlungszentrum in Sierra Leone der Rotkreuz-Föderation arbeiten zum Zeitpunkt dieses Berichtes drei ausländische Delegierte und rund 60 lokale Mitarbeitende. Diese sind teils aus der Gegend um Kono, teils aus Kenema. Dort betreibt das Rote Kreuz seit September 2014 ein Ebola Treatment Center (ETC). Die Rotkreuz-Mitarbeitenden aus Kenema bringen ihr wertvolles Wissen um die Krankheit und die Abläufe in einem ETC mit nach Kono und vermitteln es an die neue Belegschaft im neuen Behandlungszentrum. Das ETC in Kono verfügt über 40 Betten (Kenema 60), per 29. Januar 2015 konnten 57 Patienten aufgenommen und bereits 18 geheilt entlassen werden (Kenema: 589 / 285).

Die Kleinsten sind manchmal die Stärksten

Viele Patienten sind in einem sehr schlechten Allgemeinzustand. In den ersten zehn Tagen nach der Eröffnung des Zentrums hat niemand Ebola überlebt. Die erste Patientin, die schliesslich entlassen werden konnte, war ein zehnjähriges Mädchen. Dieses kleine Mädchen war so stark. Wenn jemand im Sterben lag, war es dort und sang bis zum letzten Atemzug für diesen Menschen. Das war unglaublich berührend. Auch seine Entlassung war überaus emotional. Sein Vater, ein Ebola-Überlebender aus Kenema, holte die Kleine ab. Die lokalen Angestellten haben für sie gesungen und getanzt. Die ausländischen Delegierten haben geweint. Ein unvergesslicher Moment, der unter die Haut ging. In den nächsten Tagen können weitere vier bis fünf Überlebende das Zentrum verlassen. Es ist schön zu sehen, was man hier bewirken kann.

«Man gibt die Hoffnung nie auf»

Umgekehrt bleibt auch der Tod allgegenwärtig. Heute ist ein fünfeinhalb Monate altes Mädchen gestorben. Mit ihm seine ganze Familie, bis auf den Vater. Das Mädchen hatte eigentlich keine Überlebenschance. Und doch, man gibt die Hoffnung nie auf und versucht alles, um die Patienten zu retten. Wir führen einen täglichen Kampf gegen das Virus. In diesem Fall war es sehr eindrücklich, wie die einheimischen Mitarbeitenden dem Mädchen Kraft gaben. Sie haben mit ihm geredet und gebetet. Sie geben alles, um das Leid der Patienten zu lindern. Sie alle machen einen unglaublichen Job. Sie haben meinen grössten Respekt!