Einsatz gegen Ebola

Fartoma darf nach Hause

Bianca Koller war für das SRK als Pflegefachfrau einen Monat lang in Sierra Leone. Bei ihrem Einsatz im Ebola-Behandlungszentrum von Kenema hat sie die kleine Fartoma kennengelernt. Ein Bericht über das Leben und Sterben, Hoffen und Bangen im Ebola-Zentrum.

Am Donnerstag haben wir unsere bisher jüngste Patientin aufgenommen: Fartoma. Bei der Aufnahme war sie drei Tage alt und knapp 1,5 Kilo schwer. Ihre Mutter war ein Ebola-Verdachtsfall und ihr Töchterchen somit auch. Der erste Test fiel bei beiden negativ aus. Um Ebola aber definitiv auszuschliessen, musste nach 48 Stunden ein weiterer Test durchgeführt werden.

Die Mutter durfte ihre Kleine weder stillen noch berühren, da der direkte Kontakt mit Körperflüssigkeiten das höchste Ansteckungsrisiko darstellt. Sie war aber auch zu schwach dazu, da sie sich selbst kaum auf den Beinen halten konnte. Es war herzzerreissend, wenn ich Fartoma auf dem Arm hielt und die Sehnsucht in den Augen der Mutter sah. Eine Kartonschachtel diente als Bettchen, per Magensonde, «Schoppen» und Spritze stellten wir sicher, dass die Kleine genügend Flüssigkeit erhielt. Ich hoffte, die beiden würden stark genug sein, um einander am Leben zu halten.

Am Samstagmorgen wurde der zweite Ebola-Test durchgeführt. Doch noch bevor wir die Resultate erhielten, starb die Mutter ganz plötzlich. Was für ein trauriger Moment für alle! Dann wenigstens die Erlösung, Mutter und Tochter waren negativ auf Ebola getestet worden. Fartoma hatte also kein Ebola. Woran die Mutter gestorben ist, wissen wir nicht.

Mit dem «Happy Bath» in die Zukunft

Zwei Tage später, am Montag, wurde Fartomas Mutter zu Grabe getragen. Die Kleine erhielt am gleichen Tag ihre «Happy Shower», was wir zu ihren Gunsten zum «Happy Bath» umgewandelt haben. Alle Patienten, die Ebola überleben oder Verdachtsfälle, die zweifach negative Testresultate aufweisen, erhalten diese Dusche, zuerst mit chloriniertem, dann mit Seifen-Wasser.

Fartoma ist jetzt kein Ebola-Verdachtsfall mehr. Es ist eine Freude, sie ohne Schutzanzug in den Armen halten zu dürfen und ihr das Fläschchen zu geben.

Der Vater holt nun die Kleine ab und begleitet sie ins öffentliche Spital, wo sie vorübergehend medizinisch versorgt und aufgepäppelt wird. Ich bin froh, dass Fartoma das Ebola-Behandlungszentrum verlassen hat und schon bald zu ihrer Familie zurückkehren kann. Eine Tante wird sich um das Baby kümmern.

Leb wohl, kleine Fartoma! Es war eine Ehre, dich ein winziges Stück deines hoffentlich noch langen Lebens zu begleiten. Du hast bereits bewiesen, dass du eine starke Frau bist. Möge dein Schutzengel stets an deiner Seite sein! Heb dir Sorg, oder in der Landessprache Mendi: «Bi mahugbee».