Ebola in Westafrika

Die wahren Helden

Es ist ruhig geworden um die Ebola-Epidemie in Westafrika. Doch obwohl sie eingedämmt werden konnte, ist sie nicht besiegt. Noch gibt es wöchentlich neue Fälle in Guinea und Sierra Leone. Das Rote Kreuz engagiert sich weiterhin im Kampf gegen das Virus.

Neben meiner täglichen Arbeit im Ebola-Behandlungszentrum von Kono bleibt mir immer auch Zeit, mit meinen Kolleginnen aus Sierra Leone zu sprechen. Viele sind seit letztem Sommer oder Herbst ununterbrochen im Einsatz. Manche wurden von ihren Familien ausgestossen, weil sie sich dafür entschieden haben, gegen Ebola zu kämpfen. Denn damit setzten sie sich einem Risiko aus, das vor allem zu Beginn der Epidemie in den neu aufgebauten Ebola-Zentren erheblich war. 

Von der Familie getrennt

Meine Kollegin Moiyna kommt aus Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones. Sie hat ihre Familie seit neun Monaten nicht mehr gesehen. Sie lächelt als sie erzählt, dass ihre Familie immer noch die Geldscheine in chloriniertem Wasser desinfiziert, welche sie ihnen schickt. Sie ist stolz, Teil eines Teams zu sein, das in den harten Zeiten die vielen Ebola-Patienten gepflegt hat. 

Moiyna gehört zu den Ebola-Heroes – den Helden und Heldinnen, die so viel auf sich nahmen, um bei der Bekämpfung der Epidemie zu helfen. Denen niemand die Erinnerungen abnehmen kann an die Zeit, als oft mehrere Ebola-Infizierte aufs Mal in einem Krankenwagen hergebracht wurden, manche schon bei der Ankunft verstorben. Oft mussten sie hilflos zusehen, wenn Kinder und Mütter starben, Patienten, die sie eine Zeitlang betreut hatten, plötzlich tot aufgefunden wurden. Auch wenn sie nur in vollständiger Schutzbekleidung die Hochrisikozonen des Zentrums betreten durften, so blieb doch die Angst, eines Tages selbst infiziert zu werden.

Gemeinsam bis zuletzt

Vor kurzem hat das Rote Kreuz von Sierra Leone himmelblaue T-Shirts an alle Mitarbeitenden des Ebola-Behandlungszentrums verteilt, auf denen «Ebola Hero» steht. Ich wollte keines, denn im Vergleich zu den lokalen Mitarbeitenden und Freiwilligen, habe ich nur wenig geleistet. Sie sollen die T-Shirts tragen, voller Stolz. Denn sie haben in all den Monaten dazu beigetragen, dass wir heute seit über 150 Tagen in Kono keine neuen Ebola-Fälle mehr haben.

Wir haben Ebola eingedämmt in einem grossen gemeinsamen Kraftakt. Jetzt braucht es einen langen Atem, um die Epidemie ganz zu besiegen. 

Bildstrecke «Kein Nachlassen im Kampf gegen Ebola in Sierra Leone»