Tagebuch aus dem Ebola-Einsatz

13.09.14 Endlich! Wir eröffnen unser Feldspital

Kenema / Sierra Leone, 13. September 2014

Heute ist der grosse Tag! Wir können nach einigen Verzögerungen das Rotkreuz-Feldspital eröffnen. Bis zu 60 Patienten können hier betreut werden. Ich bin sehr froh, dass es jetzt so weit ist.

Am Nachmittag treffen unsere ersten beiden Patienten ein. Ich habe Nachmittagsschicht. Wir verlassen unsere Unterkunft um 13 Uhr und kommen erst um 23 Uhr wieder zurück. Wir sind alle etwas angespannt, als wir das erste Mal die Hochrisikozone betreten. Nachdem wir unsere Patienten mit allem Nötigen versorgt haben, besprechen wir die Abläufe nochmals ausführlich.

Um 21 Uhr kommt plötzlich eine Ambulanz von Freetown, wo das Spital komplett überfüllt ist. Zwei weitere Patienten werden uns übergeben: Ein 11-jähriges Mädchen und ein 27-jähriger Mann. Das Mädchen kann selber ins Spital laufen, es legt sich hin und schläft bald ein. Den jungen Mann müssen wir mit der Bahre hinein tragen, er ist richtig schwer krank. Ich flösse ihm etwas Wasser ein und decke ihn zu. Mehr kann ich nicht tun. Während der Nacht stirbt er. Wir haben nur seinen Namen und aus welchem Spital er kommt, keine Adresse, keine Telefonnummer von Angehörigen. Hat er Familie, Frau, Kinder? Es wird schwierig, das heraus zu finden. Von der Hauptstadt Freetown mit der Ambulanz nach Kenema, eine sechsstündige Fahrt, das letzte Stück auf schlechter Strasse – und das, um wenig später einsam zu sterben.  Das ist hart. Mir tut der junge Mann von Herzen leid.

Doch wir müssen weiter arbeiten. Wir haben einen riesigen Berg von Stiefeln, Plastikschürzen und Skibrillen zu waschen. Wir sind voll beschäftigt bis die nächste Schicht kommt. Ich bin  froh, als ich endlich nach Hause kann.