Tagebuch aus dem Ebola-Einsatz

03.09.2014 Wir möchten eröffnen – doch Vieles fehlt!

Kenema / Sierra Leone, 3. September 2014

Nun bin ich in Kenema, wo ich die nächsten Wochen arbeiten werde. Die Fahrt hierhin dauerte 5 Stunden, 312 km auf geteerter Strasse. Palmen und Urwald, soweit das Auge reicht! Wir fahren durch 12 Checkpoints. Bei sechs Stationen mussten wir aussteigen und uns Fiebermessen lassen. Ich halte den Atem an, was würde passieren, wenn jemand von uns Fieber hätte

Wir erreichen kurz vor Mittag Kenema. Wir wohnen in einem riesigen katholischen Zentrum. Im Moment hat jeder sein eigenes Zimmer. Für uns wird gekocht und sogar die Kleider können wir in die Wäscherei geben. Das Zentrum ist in einem wunderschönen Park. Mit dem Bauteam zusammen sind wir 21 Personen.

Diese Woche werden über 60 Hygiene-Spezialisten ausgebildet und 24 Krankenschwestern. Wir üben alle Abläufe, wie Schutzanzüge an- und ausziehen, Triage, welche Patienten gehören zu uns, welche nicht usw.

Der Bau des Feldspitals, mit dem die Internationale Rotkreuzföderation die Bekämpfung von Ebola unterstützen will, ist recht weit fortgeschritten. Wir hoffen, dass es am Freitag fertig wird, damit wir es einrichten können. Am Sonntag möchten wir die ersten Patienten aufnehmen. Der Druck, so schnell wie möglich zu starten, ist gross, da das normale Spital zurzeit 90 Ebola-Patienten beherbergt. In Freetown hat sich die Zahl der Ebola-Patienten  in den letzten zehn Tagen verdoppelt, und da es dort nur 12 Isolationsbetten gibt, schicken sie alle per Ambulanz nach Kenema.

Unser Problem im Moment: Chlorin und Anzüge sitzen in Europa fest, weil so viele Flüge gestrichen wurden. Ohne das Material können wir das Spital aber nicht eröffnen. Es gilt der Grundsatz: Your safety first!

Um die Abläufe sicher zu proben, werden wir langsam starten. In der ersten Woche behandelt jeder zehn Patienten. Wenn wir uns sicher fühlen, jeweils 20 Patienten pro Woche. Das wird schwierig, wenn die Epidemie weiter steigt. Wenn wir jedoch einen Fehler machen und auch nur eine von uns angesteckt wird, dann werden wir weder einheimische Krankenschwestern noch ausländisches Fachpersonal finden, die in unserem Spital arbeiten wollen.

Wir werden uns am Anfang auf die Pflege und Ernährung konzentrieren und erst, wenn wir uns sicher fühlen mit Infusionen beginnen. Die Blutentnahmen werden am Anfang nur die ausländischen Fachleute machen, da wir besser versichert sind.

In den nächsten 10 Tagen erwarten wir viele neue Krankheitsfälle. Ein Laborant hat privat Ebola-Tests für teures Geld der Bevölkerung angeboten. Als das bekannt wurde, hat man ihn verhaftet und ins Gefängnis gesteckt ... Er wurde krank – und starb an Ebola. Er hatte Kontakt zu über Hundert Häftlingen und weiteren 80 Menschen ... hoffentlich haben sich nur wenige angesteckt!