Internierung der Bourbaki-Armee vor 150 Jahren

Die Geburtsstunde der humanitären Neutralität

87 000 Soldaten, 11 800 Pferde und 1150 Militärfahrzeuge strömen am 1. Februar 1871 in die Schweiz. Die Aufnahme der französischen Bourbaki-Armee war der erste grosse Hilfseinsatz des damals noch jungen Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) und geht als Geburtsstunde der humanitären Neutralität der Schweiz in die Geschichte ein.

Die französische Armee von General Charles Denis Sauter Bourbaki befindet sich vor 150 Jahren in einer verzweifelten Situation. Im Deutsch-Französischen Krieg wurde sie am Jurafuss durch die Preussen geschlagen. Ohne Rückzugsmöglichkeit und durch Hunger und Kälte gebeutelt, erhält die Bourbaki-Armee am 1. Februar 1871 in der Schweiz Asyl.

Von Genf bis zum Rorschacherberg

In der ganzen Schweiz bilden sich anschliessend spontane Hilfskomitees. Angeführt von Kirchenvertretern, Lehrpersonen, angesehenen Persönlichkeiten oder Mitgliedern des lokalen Roten Kreuzes schliessen sie sich mit den politischen und militärischen Behörden zusammen, um gemeinsam die riesige logistische und humanitäre Aufgabe zu meistern. Sie starten Spendenaufrufe, organisieren Sammlungen und kümmern sich um das Wohlergehen der Internierten.

Bildung von zahlreichen Rotkreuzsektionen

Die Aufnahme der Bourbaki-Armee verändert auch das Rote Kreuz: Bei seiner Gründung 1866 war das SRK noch weitgehend unbekannt. Fünf Jahre später wird es 1871 zum Symbol eines grossen Zusammengehörigkeitsgefühls, das sich durch aktive Neutralität und Solidarität ausdrückt. Der Deutsch-Französische Krieg wird somit zu einem Meilenstein für das SRK, das bis dahin über wenig Handlungsmöglichkeiten und schwache kantonale Strukturen verfügte. Ab dem Kriegsausbruch 1870 bilden sich ungefähr zwanzig lokale Sektionen und machen die Grundsätze von Dunant bekannter. Die erfolgreiche Zusammenarbeit von kantonalen Sektionen mit lokalen Freiwilligen dauert bis heute an. Auch heute wäre das SRK ohne die Unterstützung durch die vielen Freiwilligen nicht in der Lage, die nationalen und internationalen Herausforderungen zu meistern.

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