Coronavirus

Samariterin Astrid Müller berichtet aus dem Drive-in Testzentrum

Im normalen Alltag führt Astrid Müller in Aarberg das Hotel Krone. Während der ausserordentlichen Lage steht die 54-jährige Samariterin im Berner Drive-in Testzentrum im Einsatz. Sie erzählt, wie es ist, täglich hunderte Personen auf das neue Coronavirus zu testen.

«Ich bin mit dem Samariter-Virus infiziert. Angesteckt hat mich mein Vater, der Zeit seines Lebens mit Leib und Seele als Samariter engagiert war. Als der Aufruf kam, dass für das Drive-in Testzentrum in Bern Personal gesucht wird, habe ich mich sofort gemeldet. Mein Mann und mein Sohn unterstützen die Einsätze voll und sind stolz auf mich.

Seit dem Tag der Eröffnung an bin ich an vorderster Front bei der Testabnahme dabei. Wir wurden sehr gut vorbereitet auf unsere Aufgabe. Die strengen Schutzvorkehrungen repetieren wir täglich. Der Schutzanzug, den diejenige Person tragen muss, die den Abstrich vornimmt, sieht unbequemer aus, als er ist. Wir nennen ihn ‹Pyjama› und so ähnlich fühlt er sich auch an. Wir machen uns im Team auch immer wieder gegenseitig Komplimente, dass er sehr figurschmeichelnd sei. Trotz der Ernsthaftigkeit der Lage und unserer Aufgabe erlauben wir uns ab und zu ein Spässchen wie dieses. Das tut uns gut. Unser Zusammenhalt ist beeindruckend. Alle unterstützen alle, unabhängig von Rang und Aufgabenzuteilung.

Auch die Begegnungen mit den Personen, die sich testen lassen, sind fast ausnahmslos positiv. Einige von ihnen sind aufgeregt, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt und weil die Situation so ungewohnt ist. Bei ihnen nehme ich mir speziell viel Zeit, ihnen alles gut zu erklären. So beruhigen sie sich schnell. Bei Kindern gehe ich es spielerisch an, indem ich ihnen sage, ich wolle herausfinden, ob sie auch im Mund kitzlig seien.

Dennoch, die Arbeit ist psychisch und physisch anstrengend. Wir stehen bei jedem Wetter draussen, müssen sehr sorgfältig darauf achten, die Schutzmassnahmen stets einzuhalten und haben es mit Personen zu tun, die in einem emotionalen Ausnahmezustand sind.

Trotz allem bin ich dankbar, dass ich diese Erfahrung machen darf. Dieser Einsatz zeigt mir einmal mehr, dass ich jederzeit helfe, alle Viren dieser Welt zu bekämpfen, auf keinen Fall aber das Samariter-Virus.»