16. Februar 2021

Rotkreuz-Hilfe in Bosnien und Herzegowina

Bittere Not der geflüchteten Menschen

In Bosnien und Herzegowina sind tausende geflüchtete Menschen gestrandet. Viele leben unter äusserst prekären Bedingungen in nicht wintertauglichen Zelten oder leerstehenden Häusern und Fabrikhallen. Das Rote Kreuz leistet Nothilfe.

Die UNO schätzt, dass sich aktuell etwa 8’000 Menschen auf der Flucht in Bosnien und Herzegowina aufhalten. Etwa 2’000 von ihnen sind ohne Obdach. Viele befinden sich in verlassenen Gebäuden oder Zelten: ohne Zugang zu Nahrung, Wasser, sanitären Anlagen, Heizung und Strom.  Die meisten von ihnen kommen aus Pakistan, Afghanistan und dem Irak. Neun von zehn sind alleinstehende Männer, der Rest sind Familien und unbegleitete Minderjährige. Viele haben eine lange, beschwerliche Flucht hinter sich und gelangten via Serbien oder Montenegro nach Bosnien und Herzegowina. Meist bewegen sie sich direkt in Richtung Nordwesten des Landes und versuchen über Kroatien in die Europäische Union einzureisen. Die 900 km lange Grenze wird streng bewacht. Betroffene berichten, dass sie beim Versuch, die Grenze zu überqueren, aufgegriffen und zurückgeschickt wurden. Auch Frauen und Kinder sind betroffen. Mangels anderer Perspektiven versuchen sie es immer wieder.

Unmenschliche Situation

In dieser Grenzregion zu Kroatien steht auch das Lager Lipa, das kurz vor Weihnachten, am 23. Dezember 2020, von einem Grossfeuer zerstört wurde. Rund 1’350 Menschen verloren mitten im kalten Winter ihr Obdach. Nur ein Teil von ihnen konnte unterdessen in regulären Unterkünften oder isolierten Zelten untergebracht werden. Viele befinden sich in einer verzweifelten Lage. Auch Human Rights Watch hat kürzlich in einem Bericht auf die unmenschliche Situation der Migrantinnen und Migranten in Bosnien und Herzegowina aufmerksam gemacht.

Mobile Teams stehen den Notleidenden bei

Das Rote Kreuz von Bosnien und Herzegowina steht den notleidenden Menschen sowohl in den Lagern als auch unterwegs mit lebenswichtigen Gütern bei und hilft ihnen, den Kontakt zu ihren Familien wiederherzustellen. Das SRK arbeitet dabei eng mit seiner Schwesterorganisation zusammen. Es finanziert vier von insgesamt 11 mobilen Rotkreuz-Teams, die ganzjährig unermüdlich im Einsatz stehen.  Das SRK stellt auch Schutzmaterial gegen Covid-19 und Hilfsgüter zur Verfügung und hat psychosoziale Beratungen für bisher 25'000 Menschen ermöglicht. Innert Jahresfrist haben die mobilen Rotkreuz-Teams rund 50’000 Lebensmittelpakete sowie Decken, Kleider, Schlafsäcke und 18’000 Hygienesets an Migrantinnen und Migranten verteilt, die ohne Obdach und dringend auf Hilfe angewiesen sind. Die mobilen Teams leisten auch Erste Hilfe, da viele der Geflüchteten in schlechter gesundheitlicher Verfassung sind. Ausserdem sensibilisiert es sie für die Bedrohung durch Minen, denn in Bosnien und Herzegowina gibt es immer noch schätzungsweise 80’000 Landminen und nicht explodierte Sprengkörper aus dem Krieg.

Winterhilfe für bosnische Familien

Im Rahmen seines langjährigen Engagements unterstützt das SRK auch die lokale Bevölkerung von Bosnien und Herzegowina. Denn auch jede und jeder sechste Einheimische ist von Armut betroffen, viele von ihnen leben unter prekären Bedingungen. In den kalten Wintermonaten unterstützt das SRK besonders verletzliche Familien und Einzelpersonen mit Lebensmitteln, Heizmaterial und Bargeld-Beiträgen. Diese Winterhilfe wird durch die Aktion 2 x Weihnachten finanziert und konnte dank des guten Ergebnisses kurzfristig um weitere CHF 30'000 auf CHF 100'000 aufgestockt werden.