chili-Training: Interview mit Mark Streit

«Wer ruhig bleibt, kann fair reagieren»

Mark Streit besucht regelmässig Schulklassen und Sportvereine und lernt mit Kindern und Jugendlichen, gewaltfrei, fair und cool zu streiten. Der erfolgreichste Schweizer Eishockeyspieler aller Zeiten ist seit 2009 chili-Botschafter. Im Interview erzählt er von seinen Aufgaben und Erfahrungen.

Mark Streit, wie sieht ein chili-Training aus und was sind die Ziele?
Mark Streit: Der chili-Slogan lautet «Stark im Konflikt». Ziel des Trainings ist es, dass Kinder und Jugendliche lernen, überlegt, fair und gewaltfrei zu streiten. Gemeinsam diskutiert man Ursachen für Konflikte und Mobbing, hinterfragt Haltungen und Rollen in Konfliktsituationen und sucht nach Möglichkeiten, wie man diese Konflikte bewältigen kann.

Was hat dich dazu bewogen, chili-Botschafter zu werden?
Mark Streit: Das SRK hat mich vor gut fünf Jahren angefragt, ob ich bereit wäre, chili-Botschafter zu werden. Das Programm und seine Inhalte haben mich von Anfang an überzeugt, darum habe ich sofort zugesagt.

Wie sieht deine Rolle als Botschafter aus?
Ich verbringe die eishockeyfreie Sommerpause immer in der Schweiz. Während dieser Zeit besuche ich jeweils ein chili-Training. So habe ich Kontakt mit den Schülerinnen und Schüler und kann die Trainings begleiten. Ich finde den Austausch mit Kindern und Jugendlichen sehr spannend. Mich interessiert, was sie bewegt.

Was ist deine Aufgabe, wenn du ein chili-Training besuchst?
Bei Übungen oder Rollenspielen helfe ich Co-Trainer mit. Dabei kann ich meine Erfahrungen aus dem Sport einbringen. Und ich diskutiere mit den Kindern und Jugendlichen über die Inhalte der Trainings. Mich interessieren ihre Meinungen.

Kannst du ein Beispiel machen?
Ich spreche oft über Gefühle und Emotionen. Im Eishockey gibt es viele Situationen, in denen es wichtig ist, negative Gefühle wie Frustration, Wut und Ärger zu kontrollieren. Wenn ich abgeklärt und ruhig bleibe, kann ich zum Beispiel mit einem fairen Check reagieren und mache kein unüberlegtes Foul. Diese Haltung versuche ich den Kindern und Jugendlichen weiter zu vermitteln. Gemeinsam erarbeiten wir auch Handlungsmöglichkeiten und Techniken, die helfen, in Streit- und Konfliktsituationen die Ruhe zu bewahren.

Was hilft dir konkret, um deine Emotionen zu kontrollieren?
Ich atme tief durch und zähle bis 10. Oder manchmal halt bis 30 (lacht).

Ergänzend zu den chili-Konflikttrainings, bietet das SRK neu auch ein Mediensensibilisierungstraining an. Hast du ein solches Training auch schon besucht?
Nein, leider hatte ich noch keine Gelegenheit dazu. Ich denke aber, dass Aufklärungsarbeit im Umgang mit digitalen Medien speziell für Jugendliche dringend notwendig ist. Social Media bietet zwar viele Vorteile, bringt jedoch auch negative Aspekte wie Cybermobbing und andere Formen von Gewalt im virtuellen Raum mit sich. Wenn es terminlich klappt, werde ich im Sommer bei einem Medientraining dabei sein.

Aktuell dürfte deine sportliche Gefühlslage eher durchzogen sein: Mit deinem NHL-Team, den Philadelphia Flyers kämpfst du um die Teilnahme an den Play-off-Spielen.
Mir persönlich läuft es eigentlich ganz gut, ich erhalte viel Eiszeit und kann entsprechend Verantwortung übernehmen. Unsere aktuelle Tabellensituation als Team ist aber tatsächlich so, dass wir hart um die Teilnahme an den Playoffs kämpfen müssen.

Wirst du deine Sommerferien wieder in Bern verbringen?
Ja, auf jeden Fall. Ich geniesse diese Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden sehr. Bern ist meine Heimat.

Hier ging Mark Streit zur Schule. Heute übt er im Laubegg-Schulhaus mit einer Klasse den gewaltfreien Umgang mit Konflikten.