Keine Einsamkeit zu Hause

Besuchs- und Begleitdienst SRK

Maria Marinelli, 85, liebt es, zu sprechen. Die an sich gesellige Seniorin empfängt alle mit einem grossen Lachen. Doch mit den gesundheitlichen Problemen wurde die Einsamkeit grösser und das Lachen seltener. Seit Maria Marinelli die Rotkreuz-Freiwillige Silvina Valente, 49, kennt, gibt es wieder einen Höhepunkt im eintönigen Alltag. Dank dem Roten Kreuz ist eine besondere Freundschaft ist entstanden, welche die Corona-Pandemie überdauert hat.

Text: Joëlle Scacchi

Es ist ein bemerkenswerter Entscheid, den Silvina Valente aus Lausanne 2019 trifft: Die heute 49-Jährige meldet sich beim Roten Kreuz Waadt, weil sie für einen anderen Menschen nützlich sein will. Bemerkenswert deshalb, weil Silvina Valente mit einem hohen Teilzeitpensum als Pflegefachfrau arbeitet und einen kleinen Sohn hat. «Das soziale Engagement ist für mich sehr wichtig.»

Freiwilliger Besuchsdienst

Ebenfalls vor gut zwei Jahren beschliessen Maria und Antonio Marinelli sich beim Besuchs- und Begleitdienst SRK in ihrer Region zu melden. Die 85-Jährige leidet zunehmend darunter, dass ihr Ehemann mehrheitlich ihr einziger Gesprächspartner ist und sie fast vollständig auf ihn angewiesen ist. Die Situation seiner Frau macht auch Antonio Marinelli zu schaffen, der sich noch guter Gesundheit erfreut und alle anfallenden Arbeiten im Haushalt erledigt. Jeden Morgen geht der 86-Jährige einkaufen. Ein- bis zweimal pro Woche fährt er seine Frau mit dem Auto zur Physiotherapie. Abgesehen davon geht Maria Marinelli selten raus und hat wenig Besuch.

Was passt, findet zusammen

Dank der Koordination durch das Rote Kreuz Waadt finden Silvina Valente und Maria Marinelli zueinander. Es passt für beide vom ersten Besuch an: Die gebürtige Italienerin wünscht sich sehnlichst eine italienischsprechende Gesprächspartnerin und Silvina Valente, die nach vielen Reisen sieben Sprachen beherrscht, will gerne Italienisch sprechen.

«Silvina ist unglaublich! Für uns ist sie wie eine Tochter.»

Maria Marinelli 

Seither haben die zwei Frauen eine starke Beziehung aufgebaut. «Silvina ist unglaublich! Für uns ist sie wie eine Tochter», erklärt Maria Marinelli voller Emotionen. Sie trinken gemeinsam Kaffee, sprechen über die Arbeit von Silvina Valente, und lassen die Vergangenheit aufleben. Die kleinen Spaziergänge mit Silvina Valtente sind ein Höhepunkt der Woche, bis im März 2020 die Corona-Pandemie ausbricht.

Gemeinsam gegen Einsamkeit

Während fast einem Jahr fühlt sich Maria Marinelli stark isoliert. Zum Glück hält Silvina Valente den Kontakt mit regelmässigen Telefongesprächen aufrecht. Das sei ein Geschenk des Himmels gewesen in dieser schwierigen Zeit, betont Maria Marinelli. Doch die Angst vor der Krankheit und die Einsamkeit setzen ihr zu. Auch Silvina Valente vermisst die Treffen mit der älteren Frau. Beide Frauen sehnen den Tag des Wiedersehens herbei. Seit sie geimpft sind, führen die zwei Freundinnen ihre wöchentlichen Treffen fort: «Als ich mein Engagement begann, arbeitete ich nur 50% und hatte mehr Zeit. Obwohl ich jetzt mehr arbeite, ist es undenkbar für mich, Maria im Stich zu lassen!»