Libanon

Beiruts klaffende Wunden müssen versorgt werden

Einen Monat nach der verheerenden Explosion, die fast die Hälfte der Stadt verwüstet hat, ist der Bedarf nach Unterstützung enorm. Im Anschluss an die Nothilfe ist nun Unterstützung in Form von Bargeld wichtig. Zudem zeichnet sich schon jetzt ein erheblicher Bedarf nach psychosozialer Betreuung ab. Das SRK steht dem Libanesischen Roten Kreuz bei der Begleitung der schwer getroffenen Menschen zur Seite.

Vor einem Monat, am 4. August, zerstörte eine gewaltige Explosion den Hafen von Beirut und zahlreiche Gebäude in den umliegenden Quartieren. Über 200 Menschen starben, 6000 wurden verletzt. Und 300 000 Menschen verloren ihr Zuhause, das zerstört oder schwer beschädigt wurde. Eingestürzte Gebäude, nicht mehr betriebsbereite Spitäler: In der libanesischen Hauptstadt klaffen heute tiefe Wunden. Vor allem aber wissen Tausende von Menschen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen, und sind noch immer von der Detonation traumatisiert, die ihre Stadt in Trümmer gelegt hat. Die Katastrophe trifft ein Land, das schon seit Monaten von einer schweren Wirtschaftskrise gelähmt ist. Die Gesundheitskrise durch das Coronavirus hat die Situation weiter verschärft. Der Bedarf nach Unterstützung ist enorm.

Bargeldhilfe

«In einer ersten Phase ging es darum, mit medizinischer Nothilfe Leben zu retten. Anschliessend fokussierte sich das Libanesische Rote Kreuz auf die Klärung des Bedarfs», erklärt Mazen Yachoui, Koordinator des Bereichs Katastrophenhilfe. «Dabei hat sich gezeigt, dass die Familien in erster Linie Bargeld benötigen, um ihre Ausgaben zu decken.» Nabih Jabr, Untersekretär des Libanesischen Roten Kreuzes, bestätigt: «Mit dem Geld, das sie erhalten, können sich die Betroffenen selbst kaufen, was sie brauchen: Lebensmittel, Medikamente oder Material, um ihr Haus zu reparieren. Die Bargeldhilfe gibt ihnen etwas Würde zurück.»

Psychosoziale Betreuung

Bis der Wiederaufbau anläuft, möchte das Libanesische Rote Kreuz in den kommenden Wochen und Monaten Unterkünfte für 10 000 Familien bereitstellen – zusätzlich zu den Notunterkünften, in denen die Organisation in den ersten 72 Stunden nach der Katastrophe 1000 Familien unterbringen konnte.

Neben gewaltigen materiellen Schäden hat die Katastrophe auch tiefe Wunden in den Seelen der Menschen hinterlassen. «Noch nicht geklärt ist der Bedarf nach psychosozialer Betreuung, der bestimmt erheblich ist», sagt Nabih Jabr. Auch hier hat das Libanesische Rote Kreuz sehr rasch reagiert und traumatisierte Menschen schon in den ersten Stunden nach der Explosion psychologisch betreut. Es hofft, den Menschen in Beirut auch längerfristig beistehen zu können, damit ihre Seelen wieder etwas Frieden finden können.

Hohe Reaktions- und Leistungsfähigkeit

Unmittelbar nach der Explosion bot das Libanesische Rote Kreuz 125 Ambulanzen und Dutzende von medizinischen Teams auf und richtete Erste-Hilfe-Posten ein. Innerhalb weniger Stunden transportierte es 2000 Verletzte und verteilte über 1200 Einheiten Blut. Diese Reaktionsbereitschaft ist unter anderem dem SRK zu verdanken, das seine Schwestergesellschaft seit vielen Jahren bei der Verbesserung des Blutspendedienstes unterstützt. Rasch wurden auch Wasser, Nahrungsmittel und Hygienesets abgegeben.

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