22. Dezember 2020

Krise in Tigray, Äthiopien

Äthiopien: Zahl der Geflüchteten steigt

Viele Menschen flüchten aus der Region Tigray in andere Regionen Äthiopiens oder Richtung Sudan. Die humanitäre Situation verschlechtert sich täglich und das Rote Kreuz setzt alles daran, den besonders verletzlichen Menschen zu helfen.

Anfang November eskalierte der Konflikt zwischen der Regierung Äthiopiens und der Führung der Region Tigray und mündete in Kämpfen zwischen der Volksbefreiungsfront von Tigray und der Zentralregierung Äthiopiens. Dieser Konflikt forderte seither zahlreiche Todesopfer und Verletzte, führte zu Nahrungsmittel- und Wasserknappheit, hinterliess Zerstörung und löste eine riesige Fluchtbewegung aus. Über 950'000 Menschen wurden in verschiedene Gebiete Äthiopiens oder in den Sudan vertrieben. Der Zugang zu rund 96'000 eritreischen Flüchtlingen, die sich im Norden von Tigray befinden, ist nach wie vor nicht möglich. Berichten zufolge kam es ausserdem zu Angriffen, Entführungen und Zwangsrekrutierungen in den Flüchtlingslagern. Manche Flüchtlinge haben die Lager verlassen weil es kaum Nahrung gibt.

Äthiopien und der Sudan befinden sich beide seit mehreren Monaten in einer schweren humanitären Krise. Auslöser für die Krise war eine Kombination mehrerer Faktoren: die Coronavirus-Pandemie, die unsichere Nahrungsmittelversorgung aufgrund der Heuschreckenplage am Horn von Afrika sowie zerstörerische Überschwemmungen. 

Mit Hilfe des Bundes finanziert das SRK ein Nothilfeprojekt zur Unterstützung des Äthiopischen Roten Kreuzes (ERCS). Dabei erhalten die geflüchteten Menschen insbesondere Bargeldhilfe und psychosoziale Unterstützung. Zudem ist der Suchdienst des SRK im Kontakt mit Menschen, die von Familienmitgliedern getrennt sind, und unternimmt sein Möglichstes zur Wiederherstellung von abgebrochenen Kontakten.

Wachsender humanitärer Bedarf

Das Äthiopische Rote Kreuz (ERCS) hat schnell interveniert, um den Bedürftigsten zu helfen. Die ERCS-Teams vor Ort sowie die Teams des IKRK in Mekele, der Hauptstadt von Tigray, haben begonnen, Wasser und Nahrungsmittel zu verteilen sowie medizinische Ausrüstung an die Spitäler und in die Stadtquartiere zu liefern. Das ERCS hat Nahrungsmittelpakete nach Shire in Tigray geschickt und seine Ambulanzteams versorgen Verletzte. 
Auch im Süden Äthiopiens gibt es zahlreiche intern vertriebenene Menschen aufgrund von Spannungen zwischen Volksgruppen. Auch hier leistet das ERCS Nothilfe – mit der Unterstützung des SRK.

Zahlreiche Geflüchtete im benachbarten Sudan

Im Sudan, wo in den vergangenen Wochen zehntausende von Geflüchteten aus Tigray angekommen sind, hilft der Sudanesische Rote Halbmond und versorgt die Bedürftigsten mit Decken, Matratzen, Moskitonetzen, Plastikblachen und Wasserkanistern. In zwei bis drei der grössten Flüchtlingslager des Landes bereitet er eine grössere Hilfsaktion vor, mit Fokus auf Wasser und Hygiene, den Bau von Unterkünften sowie die medizinische Grundversorgung.