Für Menschen in der Schweiz

150 Jahre SRK in Kriegs- und Friedenszeiten

Zur Geschichte des SRK gehört die Geschichte seiner Kantonalverbände. Soldaten und Zivilpersonen konnten seit der Gründung der ersten Sektionen auf den Beistand des Roten Kreuzes zählen. Ein kurzer Überblick über die Dienstleistungen, die das Rote Kreuz in den 150 Jahren seines Bestehens in der Schweiz erbracht hat.

In der Schweiz entstanden die ersten Rotkreuz-Sektionen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1866 wurden die Sektionen Basel-Stadt, Herisau, Zürich, Teufen und Thurgau gegründet – im gleichen Jahr wie das Schweizerische Rote Kreuz (SRK). In Genf war schon zwei Jahre zuvor eine Sektion entstanden. 1898 bestanden 20 Sektionen mit insgesamt 11‘000 Mitgliedern. Im 20. Jahrhundert verbreitete sich die Bewegung weiter: Bis 1914 wuchs sie auf 50 Sektionen und 36‘000 Mitglieder an.

Die Aufgaben, die dem Roten Kreuz und seinen Sektionen zufielen, veränderten sich im Lauf der Zeit erheblich. In den Anfangsjahren konzentrierten sich die Anstrengungen auf die Unterstützung des Armeesanitätsdienstes und die Bekämpfung von Epidemien wie der Tuberkulose. Vor allem über die Samariterkurse wurden zudem die Grundsätze der Ersten Hilfe und der Volksgesundheit verbreitet. In den beiden Weltkriegen halfen die Sektionen unter anderem mit, Kriegsverletzte, Flüchtlinge oder Internierte quer durch die Schweiz in ihre Heimatländer zurückzuführen zu pflegen. Sie organisierten auch Geld- und Kleidersammlungen und bauten eine umfangreiche Kinderhilfe auf. 1918 brach die Spanische Grippe aus. Während dieser Pandemie stellte das SRK über seine beiden Pflegeschulen - Lindenhof in Bern und La Source in Lausanne - 742 Krankenschwestern zur Verfügung.

Erstes Gesundheitsambulatorium

In der Zwischenkriegszeit wurde die Bevölkerungsgesundheit zu einem wichtigen Thema. So eröffnete 1920 die Sektion Genf das erste Gesundheitsambulatorium der Schweiz und in mehreren Sektionen des Landes wurden Gemeindeschwestern eingesetzt. Sie begaben sich in die Haushalte, Schulen und Fabriken, um die seelische und körperliche Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Sektionen neue Aufgaben: Sie boten Kurse für Pflegehelferinnen an, engagierten sich in der Gemeindepflege und rekrutierten Freiwillige, um älteren, einsamen oder behinderten Menschen beizustehen. Schon damals zeichneten sich die Umrisse des heutigen Angebots der Kantonalverbände ab. Ab 1945 bauten die lokalen Sektionen Genf, Neuenburg, Zürich und Lausanne regionale Blutspendedienste auf. Der Suchdienst und die Flüchtlingshilfe bestehen seit dem Ersten Weltkrieg. Mit den verschiedenen Einwanderungswellen wurden diese Dienstleistungen laufend weiterentwickelt. Zum Beispiel als ab 1956 Flüchtlinge aus Ungarn eintrafen oder als 1961 die erste Gruppe von Tibeterinnen und Tibetern einreiste.

Frauen als Freiwillige am Steuer

In der Zeit des Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg kamen neue Dienstleistungen auf, die noch heute angeboten werden. Anfang 1950 starteten in Zürich erste Versuche mit einem Fahrdienst. 1954 verfügte dieser über neun freiwillige Fahrerinnen. Heute steht dem Fahrdienst die höchste Zahl von Freiwilligen zur Verfügung: 2014 legten sie über 16 Millionen Kilometer für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zurück.

1978 wurden in Zürich die ersten Babysitting-Kurse lanciert. Basel eröffnete 1983, drei Jahre nach der Einführung seiner Kurse, eine Babysitter-Vermittlung. Nach erfolgreichen Versuchen im Bereich Babysitting führte Genf 1993 sein Kinderbetreuungsangebot Rotkäppchen ein. Der Rotkreuz-Notruf wurde 1983 in Basel und Zürich lanciert.

Angesichts der 150-jährigen Geschichte des SRK ist die heutige Organisation der Kantonalverbände und ihres Angebots relativ jung: 1998 wurden die Dienstleistungen der 67 Sektionen im Departement Gesundheit und Integration der Geschäftsstelle des SRK umstrukturiert. Durch den Zusammenschluss der Sektionen entstanden die heutigen 24 Kantonalverbände. Diese bieten neben 15 flächendeckenden oder national bedeutsamen Dienstleistungen mehrere Dutzend regionale Dienstleistungen an. In den kommenden Jahren wird das SRK zweifellos mit weiteren Veränderungen Geschichte schreiben.