«2 x Weihnachten»

«Das schrägste Geschenk war ein Hochzeitskleid»

Bereits zum 17. Mal fand die Aktion «2 x Weihnachten» statt. Josef Reinhardt, Leiter Katastrophenhilfe Schweiz des SRK, gibt Auskunft über die Arbeit der freiwilligen Helfer und Helferinnen und die Verteilung der gespendeten Ware.

Josef Reinhardt, seit Januar packen freiwillige Helfer und Helferinnen aus. Was finden sie in den Geschenken?

Langhaltbare Lebensmittel, neue Kinderschuhe, Hygiene- und Papeterie- Artikel. Seit vielen Jahren kommunizieren wir, was besonders gefragt ist. Die meisten Spender und Spenderinnen schenken auch das.

Wird der Bedarf gedeckt?

Dieses Jahr bekamen wir rund 73 000 Geschenkpakete und 200 000 Franken Spenden, eine tolle Zahl. Zusätzlich erhalten wir Spenden von Grossunternehmen,  Coop beispielsweise unterstützt uns mit Lebensmittel und Nonfood Artikeln im Wert von einer halben Million Schweizerfranken. Und doch: Wir könnten noch mehr verteilen. Die Nachfrage nach Schokolade beispielsweise können wir nur zu 20 % abdecken. Nur bei den Plüschtieren haben wir einen Überschuss.

Was ist das speziellste Geschenk, an welches Sie sich erinnern?

Einmal bekamen wir ein Hochzeitskleid geschenkt. Dieses Jahr schickte ein Spender Bergkäse, und zwar einen ganzen Laib. Auch spendete eine Person zwei iPads. Grundsätzlich freuen wir uns über alles. 5 –8 % können wir jedoch leider nicht weiterschenken. Manche Menschen entsorgen auch ihren Ramsch über uns.

Die Grundidee von «2 x Weihnachten» war ja, dass man Weihnachtsgeschenke, für die man keine Verwendung hat, weiterschenkt. Ist das heute noch immer so?

Nein, da hat sich das Projekt stark entwickelt. Wir wissen, dass etwa 70 % der Spender und Spenderinnen die Geschenke extra für «2 x Weihnachten» einkaufen. Das freut uns natürlich sehr und zeigt, dass Solidarität gelebt wird.

Die Päckli werden alle ausgepackt und sortiert. Wie schafft ihr das?

Dank unseren freiwilligen Helfern und Helferinnen. Sie leisten Grossartiges und ohne sie wäre «2 x Weihnachten» gar nicht möglich – und würde auch weniger Spass machen. Etwa 1000 Personen helfen während Januar und Februar von Montag bis Freitag. Viele kommen schon seit Jahren. Wir beginnen um 7 Uhr früh, dazwischen gibt es Znünipausen, Mittagessen, Zvieri  und ein Abendessen.  Auch Grossunternehmen schicken uns ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese freuen sich jeweils, einmal aus ihrem Arbeitsalltag auszubrechen.

Das erfordert eine immense Organisation und eine raffinierte Logistik.

Ja, in der Tat. Wir wissen genau, wer, wann hilft. Ebenso bei den Waren: Wir halten fest, wie viele Kilo Schokolade, wie viele Kilo Winterkleider und Kinderbücher angeliefert werden. Jeden Tag fahren bei uns drei Lastwagen der Post vor und bringen die Pakete, insgesamt sind es rund 400 Tonnen Ware.


Wie werden die Waren verteilt?

Jeder der 24 Kantonalverbände des SRK gestaltet die Verteilung individuell: Manche mieten eine grosse Halle für die Verteilung, andere gehen direkt bei den Familien und den Begünstigten vorbei. Für die Spenden ins Ausland haben wir mit den nationalen Rotkreuz-Gesellschaften in Bulgarien, Weissrussland, Bosnien und Herzegowina sowie Moldawien Verträge abgeschlossen. Der Transport ins Ausland organisieren wir in diesen Tagen und die Verteilung der Geschenke in Osteuropa kontrollieren wir jeweils vor Ort.