Für Flüchtlinge im Einsatz

SRK-Freiwillige helfen in Deutschland

Bis zu 3000 Personen kommen pro Tag im Flüchtlingscamp Erding bei München an. Sie sind nach ihrer langen, gefährlichen Reise erschöpft, gesundheitlich angeschlagen, oftmals traumatisiert. Freiwillige des Schweizerischen Roten Kreuzes unterstützen das Deutsche Rote Kreuz in der Betreuung und Versorgung der Flüchtlinge.

Isabel Rutschmann

Es ist ein kalter, trüber Tag. Sturmartige Windböen fegen über die ungenutzte Start- und Landepiste des Militärflugplatzes in Erding. Der Wind hat hier auf dem Gelände des Flüchtlingscamps Zaunabsperrungen und mobile Toilettenhäuschen umgeweht, der Boden ist von Schnee und Regen aufgeweicht.

Aus den Bussen, die ununterbrochen im Camp ankommen, steigen Frauen, Männer und Kinder aus. Sie haben nur das nötigste Gepäck dabei – einen kleinen Rucksack, eine wärmende Decke, die Kleider am Leib. Einige von ihnen tragen nur Sandalen an den Füssen, ohne Socken. Ein zehnjähriges Mädchen kommt alleine an, es hat seine Angehörigen unterwegs verloren. Eine hochschwangere Frau ist alleine mit ihren fünf Kindern im Alter zwischen zwei und neun Jahren unterwegs und klagt über Schmerzen im Unterleib. Ein 81-jähriger Mann ist zu schwach, um den Bus selbständig zu verlassen. Seine Frau weint still vor sich hin. 

«Einige von ihnen tragen nur Sandalen an den Füssen, ohne Socken. Ein zehnjähriges Mädchen kommt alleine an, es hat seine Angehörigen unterwegs verloren»

Solche Szenen spielen sich bei der Ankunft im Camp Tag und Nacht fast ohne Unterbruch ab. Die Menschen, die hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak endlich hier ankommen, sind mit ihren Kräften am Ende. Die Strapazen und Ängste der beschwerlichen Flucht stehen ihnen allen ins Gesicht geschrieben.

Im so genannten Warteraum in Erding können sie sich erst einmal etwas ausruhen. Sie bekommen hier einen warmen, trockenen Schlafplatz, medizinische Versorgung, warme Mahlzeiten, falls nötig Kleider und Schuhe und können sich duschen. Das Deutsche Rote Kreuz, die Bundeswehr und die Flüchtlingshilfe Erding arbeiten eng zusammen, um der grossen Anzahl an Ankömmlingen die Ankunft so angenehm wie möglich zu machen und sie mit dem Wichtigsten zu versorgen. Freiwillige des Schweizerischen Roten Kreuzes unterstützen diese Arbeit, indem sie bei der Organisation der Unterbringung, im medizinischen Bereich, bei der Suche nach vermissten Angehörigen oder ganz einfach als Ansprechperson mithelfen. Oftmals reicht es auch nur, ein offenes Ohr für die Anliegen der Flüchtlinge zu haben, auch wenn das wegen der Sprachverständigung nicht immer ganz einfach ist.

Um den Kindern ein kleines Stückchen Normalität zu vermitteln, liegt ab und zu sogar ein Fussballspiel drin. Das Lachen der Kinder in diesem unbeschwerten Moment tut gut und gibt den Menschen, die vorübergehend im Camp untergebracht sind Zuversicht, dass die dunklen Wolken, die in ihrer schwierigen Situation über ihnen aufgezogen sind, irgendwann einmal wieder der Sonne Platz machen werden.