Corporate Volunteering

Erster Credit Suisse Corporate Volunteering Award

Im Frühjahr 2015 wurde erstmals seit der Lancierung des Corporate Volunteering Programms ein Award verliehen. Einer der fünf Gewinner ist Daniel Weiss. Er ist als Finanzplaner Private & Wealth Management Clients Schweiz tätig und engagiert sich seit bald drei Jahren im Sprachtreff «mitten unter uns» des Schweizerischen Roten Kreuzes in Zürich-Oerlikon für fremdsprachige Jugendliche.

Interview von Beate Kurth, Corporate Citizenship, Credit Suisse

Beate Kurth: Herr Weiss, warum engagieren Sie sich freiwillig?

Daniel Weiss: Obwohl ich ehrlich gesagt ab und zu auch mal Zahlenlotto spiele, bin ich der Meinung, dass ich den «Sechser» bereits gezogen habe, nämlich gesund in der sicheren Schweiz geboren zu sein. Aus Dankbarkeit dafür engagiere ich mich freiwillig, um etwas von meinem Glück mit weniger Begünstigten zu teilen. 

Was bedeuten Ihnen die Abende im Sprachtreff? 

Nebst dem karitativen Zweck ist es für mich eine willkommene Abwechslung zum Berufsalltag. Als Finanzplaner berate ich Kunden zum bevorstehenden dritten Lebensabschnitt (Pensionierung). Beim Sprachtreff habe ich es mit Teenagern zu tun, die sich noch mitten im ersten Lebens-abschnitt befinden. 

Was motiviert Sie, nach einem langen Arbeitstag noch einen ganzen Abend mit den Jugendlichen des Sprachtreffs zu verbringen? 

Vielleicht die Motivation der Jugendlichen, die ebenfalls freiwillig nach der Schule den Sprachtreff besuchen. Auch bereitet es viel Freude, die sprachlichen Fortschritte im Laufe eines Semesters zu beobachten, denn Sprachkenntnisse gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration.

Wie kommt es, dass Sie nun schon im dritten Jahr aktiv sind, also einen Einsatz an den anderen reihen?

Ich freue mich, an der Basis des SRK-Projekts mitzuwirken und mit eigenen Augen zu sehen, wie sinnvoll und förderlich dieser Treff für die Jugendlichen ist.

Welche Eigenschaften braucht man als Volunteer für dieses besondere Programm?

In erster Linie muss man motiviert sein, die SRK-Idee zum Sprachtreff mit Freude umzusetzen. Aber auch offen, geduldig und sicher im Ausdruck der deutschen Sprache sollte man sein, und man sollte die Bereitschaft haben, mit anderen Volunteers am gleichen Strick zu ziehen.

Die Jugendlichen kommen aus den unterschiedlichsten Ländern, kaum einer spricht dieselbe Muttersprache wie seine Gspänli, die Deutschkenntnisse sind rudimentär. Wie bringen Sie die Kinder als Gruppe zusammen?

Genau diese Konstellation finde ich sehr interessant und bereichernd für alle Parteien. Mit Spielen und Gruppenarbeiten, beim Kochen oder beim Abwasch versuchen wir, den Teamgeist zu wecken. Unter den Jugendlichen gibt es manchmal auch Vorbehalte und Vorurteile. Schlussendlich sitzen sie aber alle im gleichen Boot. Der Umgang und der Zusammenhalt unter ihnen sind in der Regel erfreulich gut.

Inwieweit ist der Sprachtreff auch ein Sozial- oder Integrationstreff?
Nebst der deutschen Sprache probieren wir, den Jugendlichen auch die Schweizer Kultur und Lebensweise näherzubringen, indem wir ihnen Alltagssituationen, Feiertage oder Bräuche erläutern. Zudem kochen wir vielfach typische Schweizer Gerichte. Mit wem sonst haben diese Jugendlichen die Gelegenheit, Raclette zu essen? Wenn diese Spezialität dann nach einer gewissen Zeit wieder gewünscht wird, ist es umso schöner.

Wie gestalten die Volunteers die Abende?

Jeder Volunteer bekommt im Voraus die Verantwortung für den Abend zugeteilt und gestaltet diesen dann. Nebst wiederkehrenden Tätigkeiten wie einkaufen, kochen und essen sind wir ziemlich frei. Zum Beispiel sensibilisieren wir die Jugendlichen für das Thema Berufswahl. Wir erklären ihnen unser Bildungssystem und die Möglichkeiten sowie Perspektiven, die man in der Schweiz hat, wenn man sich anstrengt. Wir erinnern sie daran, ihre Chance zu ergreifen und darum möglichst fleissig in der Schule zu sein. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist auch für die Berufswahl das A und O.

Jeder der Jugendlichen hat seine eigene, manchmal traumatische Geschichte. Wie hilft man diesen Kindern am besten?
Wir fragen die Jugendlichen nicht aktiv danach. Wenn das Vertrauen da ist, kann es schon vorkommen, dass sie über ihre Erlebnisse berichten – meistens sogar am Tisch beim Abend-essen. Wir hören dann einfach gut zu. Je nach Situation machen wir eine Meldung an die Verantwortlichen des Roten Kreuzes. Mehr können und sollen wir auch nicht tun, denn wir sind keine Therapeuten.

Haben Sie einen Wunsch an die Bewohner der Schweiz im Umgang mit Migranten?

Offen sein für Neues und bei der Integration in irgendeiner Form behilflich sein. Integration beginnt im Kleinen. Gerade unsere Jugendlichen vom Sprachtreff sind nicht aus freien Stücken in die Schweiz gekommen. Ihre Eltern haben das entschieden. Entweder weil sie in der Schweiz eine Arbeitsstelle gefunden haben, wegen Krieg geflüchtet sind oder ein Elternteil einen Schweizer oder eine Schweizerin geheiratet hat. Wir alle können sie motivieren, das Beste aus ihrer Situation zu machen.