Empfehlungen der Fachtagung

Traumatisierte Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integrieren

Was braucht es, um traumatisierten Geflüchteten den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern? Wie gelingt die Zusammenarbeit? Die Organisatoren sind sich einig: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen ist essentiell. Empfehlungen des Verbunds «Support for Torture Victims».

Verbund «Support for Torture Victims»
Der Verbund besteht aus den fünf spezialisierten Therapiezentren für traumatisierte Geflüchtete in der Schweiz. Die interinstitutionelle Zusammenarbeit des Verbundes dient dem Zweck, den fachlichen Austausch zu verstärken und die Öffentlichkeit für die Bedürfnisse der traumatisierten Geflüchteten zu sensibilisieren.
 

Gemäss Studien leiden 50% aller geflüchteten Menschen unter Traumafolgeerkrankungen. Die Folgen eines Traumas können eine erfolgreiche berufliche und soziale Integration der Betroffenen nachweislich behindern. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass sich diese Integrationsschwierigkeiten negativ auf den Gesundheitszustand traumatisierter Geflüchteter auswirken, während umgekehrt berufliche Perspektiven massgeblich dazu beitragen können, traumatische Erfahrungen zu bewältigen. Somit führen eine späte oder fehlende Behandlung von Personen mit Traumafolgeerkrankungen sowie deren mangelhafte berufliche und soziale Integration nicht nur zu grossem persönlichen Leid, sondern auch zu hohen gesundheitlichen und sozialen Folgekosten für die gesamte Gesellschaft. 

Mit folgenden sieben Massnahmen kann die Integration traumatisierter Geflüchteter in den Arbeitsmarkt verbessert werden: 

  1. Verstärkte intersektorielle Zusammenarbeit: Ein regelmässiger Austausch zwischen allen beteiligten Akteuren aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Wirtschaft und Bildung gilt es zu fördern. 
  2. Abbau regulatorischer und administrativer Hürden für Arbeitgeber: Bürokratische Hindernisse bei der Anstellung von Personen mit N- und F-Ausweis in den verschiedenen Kantonen sind schnellstmöglich abzubauen. 
  3. Informationsangebot für Arbeitgebende: Ein «Single Point of Contact» (eine Asprechstelle), an welche sich die Arbeitgeber wenden können, muss in jedem Kanton bestimmt werden. Zu prüfen sind eine nationale Informationsplattform, kantonale Informationsveranstaltungen Leitfäden zu den Anstellungsbedingungen geflüchteter Personen sowie Veranstaltungsangebote für Arbeitgebende und deren Teams zum Thema Trauma. 
  4. Finanzielle Anreize für Arbeitgeber: Um den anfänglichen Mehraufwand einer Einarbeitung, Anstellung und Ausbildung geflüchteter Menschen zu kompensieren, sind finanzielle Anreize für Arbeitgebende zu fördern. 
  5. Integrationsagenda Schweiz – Einbezug des Themas Trauma: Bei der Umsetzung der im Rahmen der Integrationsagenda Schweiz geplanten Massnahmen sind das Thema Trauma sowie der Umgang mit traumatisierten Geflüchteten verstärkt in den Fokus zu rücken. 
  6. Ausbau der integrationsfördernden Aktivitäten: Es ist in kantonale Integrationsprojekte mit Job Coaches zu investieren, die die Brücke zwischen den betroffenen Geflüchteten und den Akteuren der Wirtschaft schlagen. Bestehende Angebote zur Integrationsförderung sowie auch Sprachkurse sollen an die besonderen Bedürfnisse und Beeinträchtigungen traumatisierter Geflüchteter angepasst werden.
  7. Ausbau spezialisierter Therapieangebote für traumatisierte Geflüchtete: Die derzeit existierenden spezialisierten Therapiezentren für traumatisierte Geflüchtete vermögen den Bedarf an Therapieplätzen bei weitem nicht zu decken. Um traumatisierte Geflüchtete frühzeitig und professionell abklären und behandeln zu können, müssen Plätze in spezialisierten Fachstellen aufgestockt und finanziert werden. Des Weiteren muss interkulturelle Übersetzung eine durch die Krankenkassen und / oder die öffentliche Hand finanzierte Leistung werden.