Vorbereitung auf den Lehrgang Pflegehelfer/-in SRK

Ein Schlüssel zur Arbeitswelt

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) hat mit SESAM ein Projekt lanciert für Migrantinnen und Migranten, die in der Grundpflege tätig sein möchten. Sie werden auf den Lehrgang Pflegehelfer/-in SRK vorbereitet. Die ersten Teilnehmenden sind hochmotiviert.

KURZ BEFRAGT
Christine Joray
Die 39-jährige Soziologin Christine Joray ist Projektleiterin des Projekts SESAM in der Geschäftsstelle SRK.
Wo steht SESAM zwei Jahre nach der Lancierung?
Das Projekt ist ein grosser Erfolg. Die 18 Rotkreuz-Kantonalverbände, die sich beteiligen, haben rund 50 passende Bildungsangebote lanciert. Die Angebote sind von Kanton zu Kanton unterschiedlich, doch alle haben den Schwerpunkt auf das Erlernen der Sprache und die individuelle Begleitung gelegt. Bis heute nutzen 360 Personen diese Angebote, darunter 144 anerkannte Flüchtlinge und 62 vorläufig aufgenommene Personen.
Welche Herausforderungen gibt es zu bewältigen?
Der Bildungsstand und die Sprachkenntnisse der Teilnehmenden sind sehr unterschiedlich. Es braucht Räumlichkeiten, Personal und Lehrmittel. Zudem ist die Umsetzung der individuellen Begleitung zeitaufwendig. Doch dieses Projekt bietet der Zielgruppe eine echte Chance, Zugang zum Lehrgang zu erhalten und anschliessend in den Arbeitsmarkt einzusteigen.
Das Pilotprojekt ist bis 2018 terminiert. Wie geht es danach weiter?
Wir hoffen natürlich, dass wir danach das Projekt möglichst breit in ein Definitivum überführen können, inklusive Sicherstellung der Finanzierung. Es wäre ein bedeutender Beitrag für die Arbeitsintegration – und auch für den drohenden Personalmangel im Gesundheitswesen.
 

Schon von klein auf wusste Rahel Tesfazghi, dass sie einmal Krankenschwester werden möchte. Heute ist die 25-Jährige, die ihr Heimatland Eritrea vor gut vier Jahren verlassen hat, überglücklich: «Ich bin dabei, meinen Traum zu verwirklichen.» Als Teil des Pilotprojekts SESAM hat das SRK Kanton Bern den Kurs entwickelt, mit dem sie sich optimal auf den Lehrgang zur Pflegehelferin SRK (PH SRK) vorbereiten kann. Das Pilotprojekt nennt sich SESAM, wie das Zauberwort um Türen zu öffnen. Rahel Tesfazghi lernt besser Deutsch und wird durch ein persönliches Coaching begleitet. Als Pflegehelferin SRK wird sie sich für eine Stelle in der Basispflege bewerben können und rückt damit ihrem Traum näher, sich zur Pflegefachfrau weiterzubilden.

«Ich möchte mit meiner Arbeit nicht bloss mein eigenes Geld verdienen, ich will den Menschen auch etwas geben.»

SESAM erleichtert Migrantinnen und Migranten den Einstieg in den Arbeitsmarkt, damit sie gute Chancen auf ein eigenes Einkommen haben. Dieses Ziel strebt das Staatssekretariat für Migration (SEM) mit dem Auftrag an, den es dem SRK 2015 erteilt hat. Das Projekt wird vom SEM mit einer Million Franken mitfinanziert und durch die Rotkreuz-Kantonalverbände umgesetzt. Während der Lehrgang PH SRK auf nationaler Ebene standardisiert ist, können die Rotkreuz-Kantonalverbände SESAM etwas freier umsetzen.

Der 28-jährige Saikou Camara lebt seit sechs Jahren in der Schweiz. Er ist überaus motiviert, sich im Pflegebereich weiterzubilden und hat dafür seine Stelle im Gastgewerbe aufgegeben. «In Gambia war ich Mitglied des lokalen Roten Kreuzes und habe mich in der Ersten Hilfe engagiert. So habe ich gemerkt, dass es mir Freude macht, anderen Menschen zu helfen.» Deshalb hat er keine Sekunde gezögert: «Ich habe auf meine innere Stimme gehört, denn ich möchte mit meiner Arbeit nicht bloss Geld verdienen. Ich will den Menschen etwas geben.»

Im Rahmen von SESAM absolvieren die Teilnehmenden ein Praktikum in einem Pflegeheim. In Bern besteht seitens der Praktikumsgeberin tilia eine klare Nachfrage und die Rückmeldungen sind sehr positiv. Denn oft verfügen die Migrantinnen und Migranten bereits über eine gewisse Pflegeerfahrung. «In meinem Land gibt es keine Altersheime. Wir betreuen unsere Grosseltern in der Familie», erklärt Rahel Tesfazghi. Als Sanitäter bei der Armee war Gebrezgi Araya, aus Eritrea, im Bereich Kriegsmedizin tätig. «Wer weiss? Wenn ich mich in der Pflege weiterbilde, werde ich diese Kenntnisse vielleicht anwenden können.»

Alle drei sind sich einig: «Wir haben viel gelernt. Unser Deutsch hat sich verbessert. Und wir verstehen nun auch die Schweizerische Kultur und das Gesundheitssystem besser.» Besonders geschätzt haben sie den Hauswirtschaftsunterricht, der ihnen hilft, die Bedürfnisse älterer Menschen zu erfassen, die zu Hause auf Betreuung angewiesen sind. Dank SESAM steht den drei Kursteilnehmenden nun die Tür zur Arbeitswelt offen.