Ti-Malice - scharfe Sauce aus Haiti

Das gewisse Etwas

Lebensmittel sind knapp in Haiti und werden entsprechend wertschätzend behandelt. Wer in Corail auswärts essen will, muss seine Mahlzeit im Voraus anmelden. Aus dem Wenigen was sie haben, machen die Menschen das Beste.

REZEPT
Ti-Malice – scharfe Sauce der kreolischen Küche Haitis

Die perfekte, selbstgemachte Sauce für den nächsten Grillabend. Damit Ti-Malice länger haltbar ist, lange genug kochen und anschliessend in sterile Gläser heiss abfüllen (wie z.B. Konfitüre). Es gibt nicht DAS Rezept für Ti-Malice, da jeder Haushalt sein eigenes hat. Wir verwenden hier die Chilischoten, die es üblicherweise im Supermarkt zu kaufen gibt. Experimentieren Sie mit anderen Chilisorten. Je nach Geschmack wird Ihre Sauce milder oder noch schärfer.

Zutaten
1 Teelöffel Olivenöl
1 gehackte Zwiebel
2 frische Schoten Chili
½ Peperoni gehackt
3 gehackte Knoblauchzehen
2 Esslöffel Tomatenpüree
2 Esslöffel Weissweinessig
Saft einer halben Zitrone
ca. 1 dl Wasser
1/2 Teelöffel Salz
Pfeffer zum Abschmecken

Zubereitung
Zwiebel, Peperoni und Chili im Olivenöl 5 Minuten unter Rühren dämpfen, Knoblauch beifügen und eine weitere Minute weiterrühren. Alle übrigen Zutaten beifügen und mindestens 20 Minuten lang köcheln lassen. Alles pürieren und je nach Geschmack mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Nochmals aufkochen lassen und in eine Flasche oder ein Glas mit Bügelverschluss steril abfüllen. Sofort verschliessen und nach dem Abkühlen im Kühlschrank aufbewahren.

Als wir uns abends im einzigen Restaurant von Corail zu Tisch setzen, verspricht uns der SRK-Delegierte Benoît Rabiller: «Alles hundert Prozent biologisch. Die Zutaten sind lokal angebaut und frisch zubereitet.» Nur Kerzen erhellen den Raum, Elektrizität gibt es hier keine. Der Zugang zum Restaurant ist kaum zu finden, so finster ist die Nacht, die hier bereits kurz nach 18 Uhr hereinbricht. Die Mahlzeit muss jeweils 24 Stunden zum Voraus bestellt werden, damit der Besitzer auf dem lokalen Markt die Zutaten einkaufen und anschliessend zubereiten kann. Dafür wird man mit einem kleinen Festessen belohnt.

Rund hundert Meter vom Restaurant entfernt, gibt es in Corail auch eine Bar. Ebenfalls ein Geheimtipp, gut versteckt in einem Innenhof. Kalte Getränke gibt es dort, vor allem auch das beliebte haitianische Bier «Prestige» – purer Luxus im abgelegenen Fischerort, der vom Hurrikan Matthew über Nacht vom Lebensstandard der bescheidenen Selbstversorgung in die Armut katapultiert wurde. Der SRK-Delegierte, ein Franzose, hat die kleinen Oasen in Corail schnell gefunden, wo er nach langen Tagen im Feld etwas Entspannung und Musse findet.

Bei Kerzenlicht geniessen wir das kleine Festmahl. Frittierte Kochbananen, haitianischer Reis, frischer Fisch und Gemüse – «vielleicht aus einem der vom SRK wieder instand gestellten Familiengärten», meint Rabiller. Immer dazu gehört auch die scharfe Peffersauce Ti-malice, hergestellt aus lokalen Pfefferschoten, die sowohl frisch als auch getrocknet verarbeitet werden. Sie gibt auch einfachen Gerichten das gewisse Etwas - und dem harten Alltag in Corail die nötige Würze.