Gegen den Hunger im Südsudan

Herausforderung auf allen Ebenen

Anfang des Jahres hat die UNO im Südsudan die Hungersnot ausgerufen. Die Menschen im kriegsgeplagten Land mit humanitärer Hilfe zu erreichen, ist schwierig. Zwei Mitarbeitende des SRK berichten von ihren Erfahrungen.

Der Südsudan ist der jüngste Staat der Welt, gegründet 2011. Doch nach nur zwei Jahren des Friedens und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, ist Ende 2013 die Gewalt wieder eskaliert. Mehr als drei Millionen Menschen mussten aus ihren Dörfern fliehen. Rund eine Million Menschen brachten sich in Nachbarländern in Sicherheit, wo sie in Flüchtlingslagern Zuflucht fanden. Die andern sind als intern Vertriebene im eigenen Land auf der Flucht.

Brachliegende Felder und eine Dürreperiode haben dieses Jahr die Situation für die Menschen weiter verschärft. Das knappe Angebot an Lebensmitteln hat die Preise in die Höhe getrieben und nur wenige können sich die Nahrungsmittel noch leisten. Im Februar rief die UNO im Südsudan eine Hungersnot aus.

Das knappe Angebot an Lebensmitteln hat die Preise in die Höhe getrieben und nur wenige können sich die Nahrungsmittel noch leisten.

Carmen Humboldt, SRK-Programmverantwortliche für den Südsudan, kehrte erst kürzlich von einer Reise in die Krisenregion zurück: «Seit meinem letzten Besuch Anfang des Jahres hat sich die Situation im Land dramatisch verschlechtert. Die Hungersnot ist greifbar, sobald man die Hauptstadt Juba verlässt. Auf dem Weg in die Projektregionen sah ich viele Kinder, die offensichtlich unterernährt waren. Die bereits seit Jahren kriegsgeplagte Bevölkerung wird durch die aktuelle Ernährungskrise zusätzlich geprüft.»

Die Menschen fliehen heute nicht nur wegen der Kämpfe, sondern auch wegen des Hungers. Allein in dem kleinen Ort Ikwotos mit ehemals 25‘000 bis 30‘000 Einwohnern, in der Projektregion des SRK, verlassen täglich 20 Familien den Ort, berichtet Humboldt. Sie hoffen, in Uganda ausreichend Nahrung zu finden.

Im Süden des Sudans war das SRK schon vor der Gründung des neuen Staates im Gesundheitsbereich tätig. Seit dem Ausbruch der Kämpfe Ende 2013 leistet es Nothilfe und hat sein langfristiges Engagement den veränderten Bedingungen angepasst. Es unterstützt und ergänzt die umfangreichen Hilfsoperationen des Südsudanesischen Roten Kreuzes sowie des IKRK mit Gesundheitsprojekten, Nahrungshilfe für Kinder, Hilfsgütern, Präventionskampagnen, Blutspende-Aktionen und psychosozialer Hilfe für Vertriebene.

Doch die Bedingungen sind enorm schwierig. «Durch die schlechte Sicherheitslage wird die Hungerkrise im Südsudan weiter verschärft», erklärt Carmen Humboldt. «Es ist problematisch, die Hilfe überhaupt zu den Menschen zu bringen. Wir sind in unserer Arbeit immer wieder mit logistischen Schwierigkeiten konfrontiert. Unsere Projektregionen sind schwer zu erreichen, da die Zufahrtswege aufgrund des hohen Sicherheitsrisikos nicht nutzbar sind. Als Rotes Kreuz haben wir jedoch den Vorteil, sehr stark in der lokalen Bevölkerung verankert zu sein. So leben die meisten unserer Mitarbeitenden selbst in den betroffenen Gebieten und können ihre Arbeit ausführen, ohne lange Wege zurücklegen zu müssen.»

Mit den logistischen Herausforderungen aufgrund der prekären Sicherheitslage im Südsudan kennt sich auch Daniel Garnier aus. Der Logistik-Experte des SRK steht seit Ende April in der Hauptstadt Juba im Einsatz und ist für die Bewirtschaftung des zentralen Hilfsgüterlagers des IKRK verantwortlich. Seine Aufgabe ist es, die Lieferung von Nahrungsmitteln und anderen Nothilfegütern aus der Hauptstadt an die Menschen in den betroffenen Gebieten zu koordinieren. Landesweit, sowohl per Land- als auch auf dem Luftweg. Daniel Garnier ist ein erfahrener Nothilfelogistiker, doch dieser Einsatz verlangt auch ihm viel ab. «Wir arbeiten rund um die Uhr. Die Koordination ist eine riesige Herausforderung. Für jede Lieferung müssen wir uns überlegen, wie viele Menschen wir damit erreichen, sprich wie viel Nahrung muss verladen werden? Und wie können wir die Lebensmittelpakete zu ihnen bringen? Per Lastwagen? Oder müssen die Pakete aus der Luft abgeworfen werfen? Eignet sich dafür ein Flugzeug oder ein Helikopter besser? Jede Verteilung muss neu geplant und organisiert werden.»

Die Bedürfnisse sind immens und die Arbeitsbedingungen schwierig. Doch der Einsatz lohnt sich: «Seit meiner Ankunft vor zwei Monaten konnten wir bereits rund 2000 Tonnen Güter verteilen und damit mindestens 10‘000 Familien, verteilt über das ganze Land, unterstützen», berichtet Garnier.