Altersfreundliche Gemeinden

Kleine Veränderungen, grosse Wirkung

In Moldawien unterstützt das Schweizerische Rote Kreuz in einem Pilotprojekt vierzehn ländliche Gemeinden, die altersfreundlicher werden wollen. In Osteuropa leben überdurchschnittlich viele ältere Menschen, da die mittlere Generation auf der Suche nach Arbeit emigriert ist.

Menschen über sechzig machen einen stetig wachsenden Anteil der Weltbevölkerung aus, ihr Anteil verdoppelt sich von 11% im Jahr 2006 auf 22% im Jahr 2050. Weil die junge Bevölkerung in die Stadt oder ins Ausland zieht, ist die Überalterung in ländlichen Gemeinden in Osteuropa besonders ausgeprägt. So auch in Moldawien, wo das SRK im Bereich Gesundheit und Alter tätig ist. Nun unterstützt es eine Reihe von Gemeinden, die altersfreundlich werden wollen.

Das Vorhaben orientiert sich an den Zielen der WHO, die auf der ganzen Welt Städte und Kommunen gegen Diskriminierung von Älteren unterstützt. Ein altersfreundliches Umfeld nimmt Rücksicht auf ältere Menschen und sieht diese nicht als Last, sondern als Ressource. Von den Veränderungen profitieren viele: In einem altersgerechten Lebensraum können sich beispielsweise auch Menschen mit Behinderungen oder Eltern mit Kinderwagen leichter bewegen.

Selbstbewusstsein

Viorel Gorceag ist SRK-Delegierter in Moldawien und verantwortlich für die Altersprojekte. Behörden der beteiligten Gemeinden erarbeiten eine Altersstrategie und Arbeitsgruppen bringen Anliegen der Betroffenen ein. Gorceag erzählt ein Beispiel: In einer Gemeinde kamen jeden Donnerstag Pensionäre zur Post, weil an diesem Tag die Renten überwiesen und am Schalter ausbezahlt wurden. Gleichentags wurde in der örtlichen Apotheke immer geputzt. Da viele Pensionäre mit der ausbezahlten Rente in der Apotheke Medikamente beschaffen, kam es zu gefährlichen Situationen. Nachdem eine Betagte auf dem frisch geputzten Boden gestürzt war, wurde die Initiativgruppe aktiv und konnte erreichen, dass die Reinigung auf einen anderen Wochentag verlegt wurde.

«Kleine Veränderungen, die man aus eigener Initiative durchgesetzt hat, haben oft die grösste Wirkung und stärken das Selbstbewusstsein», ist Viorel Gorceag überzeugt. Für die Unterstützung des SRK ist es notwendig, dass die Gemeinde mitzieht und eine Altersstrategie verabschiedet. Wichtiger Partner ist eine lokale Initiativgruppe. Sie bringt die Interessen der älteren Bevölkerung ein und engagiert sich selber für die betroffenen Mitmenschen. Positiver Nebeneffekt: Wie eine Studie des SRK ergeben hat, trägt das Engagement auch zu mehr Selbstbewusstsein bei. Mitglieder von Initiativgruppen fühlen sich ernstgenommen, bleiben länger aktiv und bilden sich weiter.

Aufwertung für das Dorfzentrum

Ein Dorf, in dem sich die Abwanderung sichtlich manifestiert, ist Echimauti im Norden von Moldawien. Eine Volontärgruppe betreut Bedürftige, die nicht mehr mobil sind. Am Putztag werden Ältere zu Hause besucht, am Einladungstag können sie mit Unterstützung der Freiwilligen Bekannte bewirten.

Gemeindepräsident Igor Marco und die Leiterin der lokalen Hilfsorganisation Tatiana Buligari haben weitere Ideen, um Echimauti wiederzubeleben. Die Schule bietet Platz für 600 Schülerinnen und Schüler, als Folge der Abwanderung werden aber nur noch 200 unterrichtet. Deshalb soll in der Schulkantine ein Begegnungszentrum für ältere Menschen entstehen. «Früher waren die Menschen proaktiver, nun braucht es Impulse von aussen», berichten die Gemeindevertreter. «Die Initiativgruppen, die das SRK unterstützt, bringen Menschen zusammen und bewirken etwas.»