Hunger in Afrika

Dürre in Äthiopien hält weiter an

Weil es seit zwei Jahren viel zu wenig geregnet hat, leidet Äthiopien unter einer akuten Nahrungsmittelkrise. In den Projektregionen des SRK haben die Menschen frühzeitig die wichtigsten Vorbereitungen getroffen. Trotzdem ist ein Ausbau der Hilfe notwendig.

Seit zwei Jahren fällt in Äthiopien zu wenig Regen. Die Dürre hat das Land fest im Griff und die Situation droht sich weiter zuzuspitzen. Bereits sind 7,8 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich diese Zahl bis Ende Jahr verdoppeln könnte.

Das SRK ist seit 2010 in Äthiopien präsent. Schon damals erfolgte die Intervention aufgrund einer Dürre. Das SRK blieb seither in der Region und ist mit langfristigen Programmen in sechs Dörfern aktiv und fördert das lokale Rote Kreuz. Diese Dörfer im Distrikt Moyale im Süden des Landes leiden ebenfalls unter der aktuellen Dürre. Doch die Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit durch das Äthiopische Rote Kreuz hat sich in der aktuellen Krise bewährt. Schon früh wurden die Menschen aktiv, um sich auf die Dürre und ihre Folgen vorzubereiten. So veranlassten die Dorfkomitees etwa die frühzeitige Rationierung des Wassers und klärten die Dorfbewohner über den sparsamen Umgang mit Wasser auf. Viele Viehbesitzer siedelten frühzeitig mit ihren Herden zu Wasserquellen um oder verkauften die Tiere rechtzeitig, um einen guten Verkaufspreis zu erzielen.  

Einsatzgebiet wurde ausgeweitet

Fabio Molinari, SRK-Programmverantwortlicher für Äthiopien, ist kürzlich von einer Reise in die Projektregion zurückgekehrt: «Es war sehr erfreulich zu sehen, wie die Dorfkomitees gehandelt haben. Ihre Reaktion zeigt, dass unsere Arbeit sich gelohnt hat». Aufgrund der prekären Lage hat das SRK seine Unterstützung weiter ausgebaut. Es half bei der Organisation und Finanzierung von Tanklastwagen, welche in regelmässigen Abständen die Dörfer mit Trinkwasser versorgten. Dies nicht nur in den sechs bestehenden Projektdörfern, sondern auch in sechs zusätzlichen Gemeinden. In den vergangenen Monaten hat das SRK in diesen insgesamt zwölf Dörfern zudem weitere Gesundheits-Freiwillige ausgebildet. Diese identifizieren unterernährte Kinder sowie schwangere und stillende Frauen, um sie mit Zusatznahrung zu versorgen. Zudem haben sie an rund 11‘000 Haushalte Wasserreinigungstabletten verteilt. Ausserdem wurde mit Hilfe von staatlichen Tierpflegern Medikamente an 123‘000 Tiere verteilet um den Erhalt des Viehbestandes zu gewährleisten.

Die Lage in Äthiopien bleibt laut Fabio Molinari weiter angespannt: «Um eine Hungersnot zu vermeiden, sind die Menschen weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Für eine Normalisierung der Ernährungslage bräuchte es mindestens einen vollen Jahreszyklus mit zwei ergiebigen Regenzeiten. Die nächste Regenzeit beginnt im Oktober. Noch weiss niemand wie sie ausfällt.»