Hilfe für Menschen auf der Flucht

Jeder zweite Flüchtling erhielt vom Roten Kreuz Hilfe

Das Rote Kreuz verblasse, behauptet das «Magazin» in seiner Ausgabe vom 26. März 2016 zur Flüchtlingskrise. Dabei erhielt jeder zweite Mensch auf der Flucht Hilfe vom Roten Kreuz. Hier ist die Stellungnahme des SRK.

Die aktuelle Flüchtlingskrise stellt die Staaten im Nahen Osten, entlang der Migrationsrouten und in Europa vor riesige Herausforderungen politischer und humanitärer Natur. Das Gleiche gilt für humanitäre Organisation wie die Rotkreuz-/Rothalbmondbewegung und private Helferinnen und Helfer. In dieser grössten Krise seit dem 2. Weltkrieg sind die Solidarität der Bevölkerung und das spontane Engagement unzähliger Freiwilliger vor Ort und in der Schweiz bewundernswert.

Angesichts dieser Situation, die alle Beteiligten zeitweilig überforderte, ist es aber zu einfach, mit der Reportage «Das Rote Kreuz verblasst» von Denise Bucher im «Magazin» Nr. 12 vom 26. März dem Roten Kreuz pauschal vorzuhalten, ungenügend reagiert zu haben. Mit Momentaufnahmen über einen Zeitraum von sieben Monaten (August 2015 bis Februar 2016) in fünf Ländern und verschiedenen Zitaten von Freiwilligen privater Hilfsorganisationen (die Autorin gehört zwei dieser Organisationen als Freiwillige an, ohne es zu deklarieren) wird deren Engagement teilweise detailliert geschildert. Gleichzeitig wird hingegen die Tätigkeit der nationalen Rotkreuzgesellschaften mit Vermutungen und subjektiven Aussagen in ein negatives Licht gestellt. Das Rote Kreuz konnte dank seiner Verankerung in allen Ländern und aufgrund seiner Erfahrung mit Katastrophen meist rasch und wirksam helfen. Jeder zweite Flüchtling hat auf dem Weg vom Kriegsgebiet bis zu seiner Ankunft in Europa vom Roten Kreuz Hilfe erhalten. Über 650‘000 Personen wurden medizinisch betreut und erhielten über 8,7 Millionen Mahlzeiten, über 1,8 Millionen Decken oder warme Bekleidung etc. Das Schweizerische Rote Kreuz hat bisher über 7 Millionen Schweizer Franken mehrheitlich direkt in der Herkunftsregion eingesetzt und weitere 5 Millionen Franken sind eingeplant. Fakt ist allerdings auch, dass es keine humanitären Lösungen für politische Probleme gibt und es noch viel mehr Hilfe und damit auch finanzielle Mittel braucht, um eine solche Krise gemeinsam zu meistern.

Das Rote Kreuz ist sich seiner Verantwortung bewusst, es kennt die Stärken und Schwächen seiner Organisationen auch als Partner von Regierungen und weiss, dass es wie alle noch viel mehr hätte leisten müssen. Das rechtfertigt es nicht, aus den privaten Helfern Helden zu machen und eine erfahrene, bewährte Organisation, die bei praktisch allen Katastrophen und Krisen auf der Welt nachhaltig hilft, und die Arbeit ihrer Tausenden von Mitarbeitenden und Zehntausenden von Freiwilligen schlecht zu reden.