Schulportal

Abenteuer SRK ins Schulzimmer holen

Das neue Internetportal des SRK macht Menschlichkeit für Schülerinnen und Schüler erlebbar. Virtuelle Geschichten sensibilisieren und motivieren für humanitäres Engagement. Das Oberstufenzentrum Studen BE hat die Plattform getestet.

Welche Regeln gelten im Krieg? Wie geht Erste Hilfe? Was tun, wenn eine Situation brenzlig wird? Fallschirmspringen, wer traut sich? Yannick, Leo und Dario zögern keine Sekunde und entscheiden sich für den Fallschirmsprung. Nicht im richtigen Leben zwar – «da müsste ich es mir dann vielleicht doch noch ein zweites Mal überlegen», sagt einer der drei Achtklässler – aber zumindest virtuell. Möglich macht es das Schulportal «Abenteuer Rotes Kreuz», das heu-te am Oberstufenzentrum in Studen offiziell lanciert wird. 

Die gut 150 Schülerinnen und Schüler und ihre 20 Lehrkräfte haben Gelegenheit, drinnen und draussen an Workshops und in Ateliers das Wirken des Roten Kreuzes zu erkunden. Yannick, Leo und Dario surfen auf dem Online-Schulportal. Sie müssen sich den Fallschirmsprung zuerst verdienen: Es gilt Fragen zu Naturkatastrophen zu beantworten und sie müssen gemein-sam Entscheidungen treffen. Auf ihrer virtuellen Reise durch Honduras erhalten die Schüler Einblick in den Lebensalltag der Menschen. Sie erfahren, wo die grössten Schwierigkeiten liegen und was das SRK für die Katastrophenprävention unternimmt. 

«Das Interesse der Jugendlichen wird durch die abwechslungsreichen Aktivitäten geweckt.»

Dann kommt er endlich, der Moment der Entscheidung: Aus dem Flugzeug ins Ungewisse zu springen! Doch irgendwie ist dieses Thema bei Dario, der zu Beginn kaum auf diesen Augen-blick warten konnte, inzwischen in den Hintergrund gerückt. Vielmehr tauscht er sich jetzt mit seinen beiden Kollegen intensiv darüber aus, welche Folgen Abholzung und Brandrodung für Land und Bevölkerung haben. «Diesen Effekt beobachten wir bei der Arbeit mit dem Schulportal immer wieder», bestätigen die beiden Oberstufenlehrerinnen Barbara Möri und Sarah Deppeler. Sie haben die Plattform bereits im Vorfeld mit ihren Klassen für das SRK getestet. «Die Schüler werden in ihrer Welt abgeholt. Ihr Interesse wird durch die abwechslungsreichen Aktivitäten geweckt und so erwacht die Lust aufs selbstständige Entdecken. Auch bei denen, die sonst schwierig zu motivieren sind», sagt Barbara Möri. Die Lehrerinnen umschreiben das Arbeitsinstrument als verständlich, übersichtlich. Es fördere die Eigenverantwortung und sei informativ. «Ich habe selber viel über das Rote Kreuz gelernt », sagt Sarah Deppeler. Weiter schätzen die Lehrkräfte auch, dass fächerübergreifend gearbeitet werden kann und dass ein grosser Teil des Lernstoffs Ziele des Lehrplans 21 abdeckt. «Die begleitenden Unterrichtsmaterialien lassen viel Spielraum offen und geben wertvolle Inputs», fügt Barbara Möri an. 

Das SRK will Jugendliche für humanitäre Fragen sensibilisieren und sie dazu motivieren, sich für eine menschlichere Welt zu engagieren. Das Schulangebot trägt dazu bei, humanitäre Werte noch stärker in der heutigen Gesellschaft zu verankern. Das humanitäre Völkerrecht, Konfliktprävention, Rettung sowie internationale Zusammenarbeit sind deshalb Schwerpunktthemen. Das Portal eignet sich zudem für alle interessierten Personen und steht kostenlos im Internet zur Verfügung. 

Die Achtklässlerinnen Lara und Julia haben sich für «Leben retten» entschieden. «In eine solche Situation kann ich jederzeit geraten. Bis jetzt hätte ich mich nicht zu helfen getraut, aus Angst, etwas falsch zu machen», erklärt Lara. Nachdem die beiden den Parcours und die Testfragen auf dem Schulportal absolviert haben, sieht das ganz anders aus: «Ich wüsste jetzt, wie ich reagieren könnte, das gibt mir ein gutes Gefühl», meint Lara. 

«Bisher hätte ich mich nicht zu helfen getraut. Jetzt wüsste ich, wie ich reagieren könnte.»

In der Pause haben die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, den Jubiläumstruck des SKR zu besuchen, der auf dem Pausenplatz gastiert. Der Truck wird an verschiedenen Orten in der ganzen Schweiz Halt machen. Dario versucht sich gerade mit viel Gelächter und vollem Einsatz in einem Spiel zur Blutspende, bei dem die Reaktionsfähigkeit getestet wird. Als er mich entdeckt, ruft er: «Sie, ich habe jetzt verstanden, warum es in Honduras so viele Erdrut-sche gibt und was man tun muss, damit das nicht mehr passiert.» Dann wendet er sich mit voller Konzentration wieder dem Spiel zu und freut sich diebisch, als er einen seiner Mitschüler übertrumpft.