Nach vier Hurrikanen innert drei Wochen läuft die internationale Hilfe in Haiti auf Hochtouren. Die Zerstörungen sind enorm und die Nöte der Bevölkerung gross, wie die SRK-Mitarbeiterin Anna Zingg berichtet, die dort im Einsatz steht.
Die Hilfe läuft auf Hochtouren und kommt auf dem Wasser- und Luftweg an.
© Reuters/Logan Abassi Minustah courtesy www. alertnet.com
„Noch immer gibt es Orte, die von der Umwelt abgeschnitten sind“, sagt Anna Zingg. Die SRK-Programmverantwortliche für Zentralamerika und Karibik leistet seit gut einer Woche in Haiti Nothilfe. Im Auftrag der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften klärt sie ab, welche Hilfsgüter am nötigsten gebraucht werden. „Es fehlt an Trinkwasser, Nahrung, Medikamenten und natürlich Unterkünften“, stellt sie fest. Erschwert werde die Notlage durch die bittere Armut. „Die Menschen hatten schon vorher fast nichts, jetzt haben viele alles verloren.“
Auch zehn Tage nach dem vierten und vorläufig letzten Hurrikan, der über Haiti hinweg raste, stehen weite Teile des Landes noch immer unter Wasser. Fast täglich regnet es, wodurch der Abfluss der Wassermassen verhindert wird. In den Mündungsgebieten haben die Flüsse ihre Bette verlassen, Felder wurden grossflächig überschwemmt, die Ernten zerstört. Strassen und Brücken wurden weggespült.
Trotzdem gelingt es dem Roten Kreuz zunehmend, die Hilfe zu den Leuten zu bringen. Vier Logistiker des SRK koordinieren im Auftrag der Internationalen Föderation die Entgegennahme und Verteilung sämtlicher Rotkreuz-Lieferungen. In den vergangenen Tagen wurden Luftbrücken errichtet – beispielsweise nach Jacmel an der Südküste des Landes. Auch auf dem Wasserweg erreichen immer mehr Hilfstransporte ihre Ziele.
Anders als die Medienberichterstattung erscheinen liess, leidet nicht nur der Norden, sondern auch der Süden Haitis unter schweren Zerstörungen. Während in der nördlichen Hafenstadt Gonaïves mittlerweile ein Gedränge von Hilfsorganisationen herrsche, fehle in andern Gegenden die Unterstützung weitgehend, berichtet Anna Zingg. Das Rote Kreuz konzentriere sich auf solche Gebiete.
Für die Bevölkerung sei die Situation schwer zu ertragen. Beim Besuch in der vom Hurrikan „Ike“ schwer getroffenen Stadt Cabaret traf Anna Zingg auf verzweifelte, zornige Menschen, die in Schulhäusern Unterschlupf suchten. „Viele sind frustriert. Sie fühlten sich schon vor der Katastrophe vernachlässigt. Jetzt wächst die Wut, die Situation ist angespannt.“
Spenden für die Hilfe an den Wirbelsturmopfern nimmt das SRK dankend entgegen auf dem Postkonto 30-4200-3, Vermerk „Karibik/Haiti".
